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Der Wattenrat – Streitbarer Behüter ostfriesischer Natur und mit Vorsicht zu genießen

Das Watt – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2007. Dies sind die Abenteuer des Wattenrats, der mit ein paar Mann Besatzung seit mehreren Jahren unterwegs ist, um den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und seine angrenzenden Gebiete in Ostfriesland und Friesland zu erforschen und zu retten. Der Wattenrat – eine Institution die kaum ein Mensch zuvor gesehen und gehört hat. Zeit also, das zu ändern.

Noch nicht ganz so alt wie die Welt von Star Trek und Raumschiff Enterprise ist der Wattenrat. Er ist ein lockerer Zusammenschluss von Naturschutz-Interessierten aus der Region Ostfriesland und den angrenzenden Gebieten einschließlich der Niederlande. Hervorgegangen ist er aus der „Konferenz der Natur- und Umwelschutzverbände Ost-Friesland“, die bereits 1979 von verbandsunabhängigen Natur- und Umweltschützern aus Ostfriesland und Umgebung gegründet wurde. Die Mitglieder der Konferenz recherchierten …

…und dokumentierten in Eigeninitiative die Eingriffe des Menschen in die vielfältigen Naturräume der Küstenlandschaft. Die gewonnenen Daten und Hintergründe lieferte man anschließend den damals tätigen Naturschutzorganisationen zu.

Die Jahre zogen ins Land und mehr und mehr entfremdeten sich die organisierten Naturschutzverbände von ihren Zulieferern. Zumindest sehen das die heutigen Wattenrat-Mitglieder so, nachzulesen auf deren Webseite Wattenrat.de.

Und heute? Da macht der Wattenrat all das, was nach den Vorstellungen der Wattenrat-Mitglieder eigentlich von Verbänden wie BUND, NABU oder WWF gemacht werden müßte, aber „mit Rücksicht auf die Strömungsgeschwindigkeit und Fließrichtung von Geldern“ unter den Tisch gekehrt wird. So drückt es zumindest ein Wattenrat-Sympathisant im Gespräch mit Ostfriesenblog.de aus. Überprüfen lässt sich diese Aussage natürlich nicht, aber deutlich werden schon vorliegende Meinungsverschiedenheiten. Aber unterschiedliche Ansichten und Interessen machen eine Demokratie ja auch erst wirklich interessant und lebenswert. Und warum sollte es bei den Naturschützern anders zu gehen, als in Wirtschaft und Politik?

Die Tätigkeiten des Wattenrats verteilen sich über einen weiten Bereich, der von ornithologischer Datenerfassung bis zur Beschwerdeeinreichung bei der EU-Kommision oder der Veranstaltung von Presseterminen reicht. Weitere Aktivitäten sind die Sichtung und Sammlung ostfriesischer und überregionaler Pressemeldungen und anderer Quellen zu Eingriffen im Wattenmeer und den angrenzenden Gebieten wie beispielsweise in Ostfriesland. Die gezielte Kontaktaufnahme und Information von Behörden, Naturschutzorganisationen, Medien und Einzelpersonen gehört ebenfalls zur täglichen Arbeit.

Mitunter scheint der Wattenrat mit seiner Kritik etwas zu übertreiben. So ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover derzeit gegen Manfred Knake, den Koordinator des Wattenrates Ostfriesland. Dieser hatte auf der Wattenrat-Webseite einen leitenden Beamten im niedersächsischen Umweltministerium als ehemaligen Stasi-Mitarbeiter verunglimpft* bezeichnet.

Überhaupt scheint das niedersächsische Umweltministerium nicht besonders gut auf den Wattenrat, der weder anerkannter Verband noch ein eingetragener Verein ist, zu sprechen sein. So hat sich bereits Umweltminister Sander in öffentlichen Auftritten über den Wattenrat und dessen Öffentlichkeitsarbeit beschwert.

Was auch immer man vom Wattenrat, dessen Polemik und dessen Ansichten halten mag: Es ist doch schön zu sehen, dass es noch Ostfriesen und Außerfriesische gibt, die sich für den Naturschutz und den Erhalt ostfriesischer Natur engagieren.

*Update der Redaktion (5.9.2007): Herr Knake hat uns darauf hingewiesen, dass der Tatbestand einer "Verunglimpfung" nicht erfüllt ist, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Auf seinen Wunsch hin im Folgenden eine von ihm verfasste Richtigstellung: "Falsch ist, dass ich den Leitenden Ministerialrat Bernd-Karl Hoffmann als ehemaligen Informellen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit ("Stasi") der ehemaligen DDR als Stasi-Mitarbeiter "verunglimpft" habe. Es handelt sich nicht um eine "Übertreibung". Richtig ist, dass vor dem Erscheinen eines Artikels in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung am 16. Aug. 2007 (Klaus Wallbaum: Ein Mann im Netz der Stasi) Herr H. am 18. Mai 2007 eine Strafanzeige gegen mich wegen Übler Nachrede (§186 StGB)erstattet hat, weil ich ihn in einem Beitrag auf der WebSeite des Wattenrates Ost-Friesland (http://www.wattenrat.de/aktuell/aktuell218.htm ) vom April des Jahres als Mitarbeiter des MfS bezeichnet hatte. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat also pflichtgemäß auf Grund der privaten Anzeige von Herrn H. über den Staatsschutz gegen mich ermitteln lassen, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, da ein Anwalt erst Akteneinsicht genommen hat. Eine rechtlich zu beanstandene
"Verunglimpfung" liegt aber erst dann vor, wenn dies tatsächlich richterlich festgestellt würde. So weit ist das Verfahren noch nicht gediehen, wenn es überhaupt dazu kommen sollte. Richtig ist nämlich auch, dass die Hannoversche Allgemeine Zeitung inzwischen die Akte des Herrn H. von der Birthler-Behörde angefordert hat, aus der eindeutig hervorgeht, dass H. Mitte der 1970er-Jahre eine Verpflichtungserklärung des MfS unterschrieben hat; nach meinen Recherchen war sein Stasi-Deckname "Rene´". Dies hat die HAZ i.o. genannten Artikel vom 16. Aug. 2007 veröffentlicht. Bereits mit dem Erlass des Nieders. Landwirtschaftsministers von 1978 wurde H. als "Sicherheitsrisiko" wegen seiner MfS-Tätigkeit eingestuft. Noch am 07. Mai 2007 hatte H. in einer Gegendarstellung auf einen früheren Artikel in der HAZ behauptet (HAZ, 20. April 2007: Klaus Wallbaum: Alter Stasi-Fall schreckt Umweltressort auf), er sei "nie Stasi-Mitarbeiter"gewesen und daher "kein Stasi-Fall."

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