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In fünf Minuten auf die Insel: Fluglinie mit kürzester Strecke Europas verkehrt zwischen Harlesiel und Wangerooge

Jan-Lüppen Brunzema ist Geschäftsführer der Luftverkehr Friesland KG in Harlesiel. Foto: Holger Szyska

Der ostfriesische Küstenort Harlesiel und die Insel Wangerooge sind nur knapp acht Kilometer voneinander entfernt. Doch die Fähre ist stark von den Gezeiten abhängig. Weil das Hochwasser von Tag zu Tag mit 50 Minuten Verzögerung eintrifft, verkehren die Schiffe nach einem "gleitenden" Fahrplan. "Wenn ein Urlauber die Fähre verpasst, steht er schon mal fluchend an unserem Schalter", sagt Jan-Lüppen Brunzema, Geschäftsführer der Luftverkehr Friesland KG (LFH) in Harlesiel. Er kann dem verärgerten Reisenden aber flugs den Wind aus den Segeln nehmen. "In fünf Minuten sind wir drüben", beruhigt der 55-jährige.

Nach eigenen Angaben betreibt Brunzema zwischen Harlesiel und Wangerooge die Linie mit der kürzesten Flugstrecke Europas. In Schottland benötige "Logan Air" zwar nur zweieinhalb Minuten für den Flug zwischen zwei Orkney-Inseln. "Doch dort wird nur im Sommer regelmäßig geflogen, im Winter sporadisch", sagt Brunzema. Seine Flugzeuge seien indes ganzjährig jeden Tag im Einsatz. Im Winter bringt er Handwerker und Insulaner nach Wangerooge, im Sommer hauptsächlich Urlauber. Nicht zuletzt setzen Vertreter auf seine Dienste. "Wenn ein Pharmareferent die Apotheken auf allen ostfriesischen Inseln im Fährverkehr besuchen wollte, wäre er eine ganze Woche unterwegs", weiß der gebürtige Emder. Er schafft Abhilfe. Dreimal wöchentlich verbindet er …

die Flugplätze auf Borkum, Juist, Norderney, Baltrum und Langeoog sowie Heide-Büsum, Sankt Peter Ording, Pellworm, Wyk auf Föhr, Westerland und Fehmarn.

Diese Verbindung hat einen praktischen Hintergrund. Die Kinobetreiber haben sich zu einer Gemeinschaft zusammengetan, die Filme wandern von einer Insel zur anderen. So kommen die Urlauber auf allen Nordseeinseln in den Genuss, die neuesten Hollywood-Streifen sehen zu können. "Das läuft seit 1980 wie ein Uhrwerk", sagt Brunzema, der bis zu acht Filmkopien mitnimmt. In seiner Cessna 172 hat er zu diesem Zweck eigens Sitze ausgebaut.Wer am Frühstückstisch auf Wangerooge nicht auf die Zeitung verzichten möchte, ist ebenfalls auf Brunzema angewiesen. Jeden Morgen um acht Uhr wird die Tagespresse auf die Insel befördert. Zudem liefert die LFH zweimal täglich Medikamente. Wenn es eilt, heben die Flugzeuge ebenfalls ab. Brunzema: "Spediteure fahren uns mit Kühlaggregaten, Blumen oder frischem Fisch an."

Selbst Heiligabend heben die LFH-Flugzeuge ab. "Einmal musste ein Tierarzt wegen eines erkrankten Pferdes kurzfristig rüber. Wir haben aber auch ein Herz für Schulkinder, die Weihnachten zuhause sein wollen", sagt Brunzema. Er selbst war noch Schüler, als ihn die Leidenschaft des Fliegens packte. Das war 1969 bei einem Segelfluglehrgang auf Juist. 1972 erwarb Brunzema die Motorfluglizenz. 1983 kaufte er seinem Vorgänger Erich Passon mit stillen Partnern die Fluglinie Harlesiel-Wangerooge ab, die der Wilhelmshavener zehn Jahre zuvor aus der Taufe gehoben hatte.

Damals existierten lediglich eine kleine Betriebsfläche und drei Flugzeuge. Mit den Jahren expandierte das Unternehmen, das inzwischen acht Piloten beschäftigt. Mittlerweile verfügt Brunzema über eine 510 Meter lange und 20 Meter breite Landebahn sowie eine Halle für insgesamt acht Flugzeuge. Darüber hinaus betreibt er seit November vergangenen Jahres eine Filiale in Estland. Denn wegen Sturm und Eisgang kann die Insel Ruhnu in der Bucht von
Riga zwischen Oktober und April nicht mit einer Fähre erreicht werden. Brunzema gewann die europäische Ausschreibung und versorgt die 60 Einwohner der Insel in dieser Zeit im staatlichen Auftrag mit Lebensmitteln. Dort beträgt die Flugzeit immerhin 30 Minuten.

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