1

Marcel Kuhnt im Gespräch – Interview mit einem der Entwickler der Inselhüpfen-Szenerie für den Flugsimulator X

Vor eingen Tagen ist unter dem Titel „German Airfields I: Inselhüpfen“ ein Ostfriesland-Add-on für den Flugsimulator X von Microsoft erschienen. Die Software der Paderborner Softwareschmiede Aerosoft fügt dem PC-Flugsimulator fotorealistische Texturen der ostfriesischen Inseln sowie detailgetreue Sichtflugobjekte hinzu. Für alle Hobbyflieger und Freunde Ostfrieslands ist damit eine tolle Szenerie der ostfriesischen Küstenlandschaft verfügbar. Ostfriesenblog.de hat mit dem 23-jährigen Marcel Kuhnt einen der Entwickler kontaktiert und mit ihm über das Inselhüpfen, die virtuelle Fliegerei und Ostfriesland gesprochen.

Marcel, du bist gebürtiger Spandauer. Was treibt dich als Berliner dazu, die ostfriesischen Inseln für den Flugsimulator X so detailliert umzusetzen?

Vor der Wende 1989 gab es sehr günstige Flüge von Berlin-Tegel über Bremen nach Wangerooge, sodass ich als Kind oft im Norden war. Dort habe ich die ostfriesischen Inseln kennen und lieben gelernt. Da ich mich an deren unverwechselbarer…

…Schönheit auch im Flugsimulator weiden wollte, habe ich dann vor ein paar Jahren gemeinsam mit einem Bekannten begonnen, in meiner Freizeit eine detaillierte Ostfriesland-Szenerie umzusetzen. Das Resultat war eine ziemlich genaue Wiedergabe der ostfriesischen Küste. Die Freeware für den Flugsimulator 2004 steht bis heute allen Stubenfliegern als Freeware kostenlos auf meiner Webseite zum Download zur Verfügung.

Das Inselhüpfen-Add-on ist folglich der kommerzielle Nachfolger der vorherigen Ostfriesland-Szenerie?

Genau. An dem neuen Add-on, das speziell für den aktuellen Flugsimulator X entwickelt wurde, haben jedoch noch viele weitere Entwickler mitgearbeitet. Zudem haben wir die Szenerie erweitert und mittels hochaufgelöster fotografischer Texturen nahezu realitätsgetreu umgesetzt. Durch das Einbetten vieler bekannter Gebäude und Sehenswürdigkeiten kommen nun vor allem Freunde des Sichtflugs voll auf ihre Kosten.

Wie entsteht so ein Add-on für den Flugsimulator? Benutzt man dazu einen Editor oder greift auf andere Werkzeuge zurück?

Vergleichbar ist das Ganze mit dem Bau einer Modelleisenbahnanlage: Irgendwann entschließt man sich dazu, mit der Arbeit zu beginnen. Dann arbeitet man an der einen Stelle, fährt an einer anderen fort und hat zu einem späteren Zeitpunkt eine vollständige Anlage kreiiert. Ähnlich ist der Vorgang beim Designen von Landschaften und Objekten für den Flugsimulator. Die Objekte, also Häuser etc., entstehen im Prinzip so wie Kartonbaubögen oder Töpferprodukte. Man gibt dem Computer Formen vor, kombiniert sie, verformt sie und malt sie schließlich an. Hilfreich sind Fotos, die als Vorlage dienen. Noch besser ist es, wenn wenn man bereits vor Ort war und sich mit eigenen Augen einen Eindruck vermittelt hat. Darüber hinaus müssen natürlich auch einige Dinge von Hand programmiert oder gescriptet werden. Für solche Zwecke habe ich mir eigene Entwicklertools geschrieben. Die Arbeit ist also sehr zeitintensiv und gliedert sich in viele verschiedene Schritte.

Wie bist du zum „Simulationsfreak“ geworden?

Als Freak würde ich mich nicht bezeichnen, eher als einen Künstler – zumindest wenn es darum geht, Landschaften und Flugzeuge zu designen. Ich hatte schon in meiner Kindheit Interesse an allen technischen Dingen, die sich bewegen. Dazu gehören vor allem Eisenbahnen und eben Flugzeuge. Mit der Flugsimulation habe ich angefangen, als ich meinen ersten Computer erhielt. Und heute studiere ich an der TU Berlin das Fach Verkehrswesen mit Schwerpunkt Luft- und Raumfahrttechnik. Insofern habe ich mein Hobby fast schon zum Beruf gemacht.

Fliegst du auch im richtigen Leben?

Aktiv nein, sonst nur in den Urlaub. Und dann sitze ich lieber bequem in der Kabine und überlasse dem Piloten im Cockpit die Steuerung des Flugzeugs. Crew und Passagiere sollen ja schließlich gesund und munter ans Ziel gelangen. Im Simulator am PC fliege ich wöchentlich für ein paar Stunden verschiedene Strecken ab. Meistens hüpfe ich zwischen den ostfriesischen Inseln hin und her, zur Abwechslung fliege ich auch innerhalb Deutschlands eine längere Strecke mit einer Boeing 737. Dank dem an meinen PC angeschlossenen Steuerhorn und den Ruderpedalen klappt das auch immer ganz gut. Beschwert hat sich zumindest noch keiner meiner mich stets zahlreich begleitenden virtuellen Passagiere.

Warst du denn abseits deines Simulatoren-Hobbies schon öfter auf den Inseln? Hast du schon mal einen Fuß auf das ostfriesische Festland gesetzt?

Ich war schon sehr oft als Urlauber auf Wangerooge und ein paar Mal auch auf Langeoog. Darüber hinaus habe ich Tagesflüge nach Baltrum und Norderney unternommen. Dieses Jahr war ich sogar ein paar Tage auf Juist, vor einigen Jahren auch auf Borkum. Das Festland habe ich ebenfalls betreten, wenngleich nur sehr kurz während eines Praktikums am Flugplatz in Harlesiel.

Was reizt dich an den ostfriesischen Inseln und an Ostfriesland?

Ganz klar die raue Luft und das unbeständige Wetter. Fasznierend sind auch die Autofreiheit, die kleinen Flugplätze und die Inselbahnen. Darin begründet liegt übrigens auch meine leichte Abneigung gegenüber dem Festland – denn dort gibt es Autos. Und von denen haben wir hier in Berlin ja mehr als genug. Dennoch hat natürlich auch das Festland seine Reize. Den plattdeutschen Dialekt finde ich beispielsweise sehr angenehm.

Zurück zum Flugsimulator – planst du weitere Add-ons zum Thema Ostfriesland für die virtuelle Fliegergemeinde?

Aus Zeitmangel gegenwärtig leider nicht. Von den Städten und Fughäfen im Hinterland abseits der ostfriesischen Inseln sind mir darüber hinaus nur sehr wenige bekannt, so dass mir die notwendigen Hintergrundinformationen für die Modellierung von weiteren Objekten fehlen. Von Aerosoft wird es aber in Kürze ein weiteres Add-on mit kleineren niedersächsischen Flughäfen für den Flugsimulator X geben. Mit Leer-Papenburg befindet sich darunter auch ein Flugplatz aus Ostfriesland. Ich selbst habe für den Flugsimulator 2004 vor einigen Jahren den zehnsitzigen Britten-Norman Islander umgesetzt – ein britisches Transportflugzug, das im richtigen Leben im Flugverkehr zwischen den Inseln eingesetzt wird. Ob es von dem Flieger auch eine neue Version für den Flugsimulator X geben wird, weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Marcel, wir danken dir für das interessante Gespräch und wünschen dir alles Gute für die Zukunft. Möglicherweise sieht man sich ja mal in der Luft oder in Ostfriesland!

Comments

comments

Powered by Facebook Comments

Abgelegt in: Allgemein Tags: , , ,

Get Updates

Share This Post

Related Posts

One Response to "Marcel Kuhnt im Gespräch – Interview mit einem der Entwickler der Inselhüpfen-Szenerie für den Flugsimulator X"

  1. FSNews sagt:

    Der Ostfriesenblog hat den 23-jährigen Developer der FSX Inselhüpfen-Scenery die kürzlich bei Aerosoft in der Reihe German Airfields erschienen ist im Interview. Marcel berichtet über Scenerydesign allgemein, seine Erfahrungen mit dem Flugsimulato…

Leave a Reply

Submit Comment

© 2017 Ostfriesenblog.de. All rights reserved.