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Ein Tunnel nur für das Rindvieh – Ostfriesischer Landwirt untertunnelt Kreisstraße für seine Milchkühe

Karl Blinker, Erbauer des Kuhtunnels

In Leezdorf im Kreis Aurich geht es gemeinhin beschaulich zu. Damit ist es allerdings vorbei, wenn Karl Blinker die 80 bis 100 Milchkühe seines Sohnes vom Melkstall über die Kreisstraße 202 auf die gegenüber liegende Weide treibt. "Bei Nebel ist das Risiko besonders groß", sagt der 70-jährige Landwirt im Ruhestand. Gerade der Berufsverkehr in den Morgen- und Abendstunden habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Ausgerechnet während der Dämmerung muss das Rindvieh die Straße überqueren. Deshalb schreitet Bauer Blinker zur Tat. Er untertunnelt die Kreisstraße.

"Kühe lassen sich nicht aufhalten", sagt Blinker, der den Hof für seinen Sohn Manfred kaufte, als der noch weniger Kühe besaß und auch nicht so viele Autos unterwegs waren. Selbst das Flatterband zur Absperrung…


… biete zu geringen Schutz, zumal auf der Strecke 100 Stundenkilometer schnell gefahren werden dürfe. Junge Autofahrer würden das Flatterband und ein vor dem Viehauftrieb warnendes Schild schon einmal übersehen. Letztlich habe ihn der geplante Bau eines Radweges auf dem Teilstück bestärkt, das ungewöhnliche Tunnelprojekt in Angriff zu nehmen. Blinker: "Wenn die Fahrräder von der Straße sind, wir der Autoverkehr noch schneller."

Die bereits 2003 aufgenommenen Verhandlungen mit der Auricher Kreisbehörde gestalteten sich allerdings zäh. "Der Verkehr wurde zu falschen Zeiten gemessen", sagt Blinker. Davon ließ er sich nicht abschrecken. "Ich habe erstmal eine Zeichnung gemacht", erzählt der 70-jährige. Auf öffentliche Zuschüsse hoffte er aber vergeblich. "Es ist bedauerlich, dass das nicht unterstützt wird", sagt Blinker. Zwar gebe es eine kleine Entschädigung für den Radweg, für die Entschärfung der Gefahrensituation aber keinen Cent. Die Kreisbehörde habe mit dem Neidfaktor anderer Landwirte argumentiert. "Man hat mir gesagt, dass dann alle einen eigenen Tunnel wollen", berichtet Blinker.

…Unter der Bedingung, das eigentliche Tunnelstück mit einer Länge von zehn Metern von einer Fachfirma erstellen zu lassen, erhielt Familie Blinker letztlich doch eine Baugenehmigung. Zudem mussten Maße eingehalten werden. Die Unterführung mit einer eingegossenen Betondecke ist zwei Meter hoch und nicht ganz zwei Meter breit. "Bei einer Breite von zwei Metern muss der TÜV kommen", erklärt Blinker. Im bürokratischen Jargon werde der Tunnel nun Durchlass genannt. "Zwei Kühe passen nebeneinander hindurch, das genügt", sagt Blinker.

Im Oktober hat das Projekt begonnen. Die auf beiden Seiten jeweils 25 Meter langen Rampen bauen die Blinkers selbst. Auch das Grundwasser hat die Familie eigenhändig abgesenkt, den Sand selbst abgefahren und den Schutt entsorgt. Rohre für das Ablaufen und eine Tauchpumpe zum Abpumpen von Regenwasser sowie Leitplanken werden ebenfalls in Eigenleistung installiert. Blinker: "Der Tunnel soll fertig sein, wenn die Kühe im Frühjahr auf die Weide kommen." Über den Kostenaufwand hüllt er den Mantel des Schweigens. Andere Landwirte aus der Gegend hätten sich das Bauwerk aber schon angesehen und nun auch Interesse.

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