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Ems-Schützer begehren auf: Demonstration gegen weiteren Ausbau des Flusses

In seiner Jugend konnte Wilfried Heikens ohne Bedenken mit einer Jolle auf der Unterems segeln. 30 Jahre später ist der Fluss zwischen Papenburg und Emden kein geeignetes Revier mehr für junge Wassersportler. "Heute ist das lebensgefährlich, weil sich die Strömungsgeschwindigkeit nahezu verdoppelt hat", sagt der 47-jährige Heikens, Vorsitzender des Wassersportvereins "Luv up" aus dem Emsdorf Jemgum. Er will diese Entwicklung nicht widerstandslos hinnehmen. Gemeinsam mit anderen Kritikern hat der Bauunternehmer die "Interessengemeinschaft Ems" gegründet. 

Unter dem Motto "Unser Fluss ist in Gefahr" rief die…

… überparteiliche Initiative zur Teilnahme an einer Demonstration auf, die am Samstag, 29. März,  um 11 Uhr auf dem Denkmalsplatz in Leer begann. Im Anschluss an die Kundgebung fand ein Protestmarsch zur Jann-Berghaus-Brücke statt. Die Brücke ist ein Nadelöhr, wenn die Meyer Werft ihre Kreuzfahrtschiffe durch die Ems in die Nordsee überführt. Derzeit wird die Schiffsdurchfahrt wegen der größer werdenden Kreuzfahrtschiffe des Papenburger Unternehmens verbreitert.

Der Umbau stößt bei der Initiative nicht nur wegen der Kosten von mehr als 15 Millionen Euro auf Kritik. Voraussichtlich ab Anfang August wird die Brücke vier Monate lang für den Kfz-Verkehr gesperrt. Nach Berechnungen der Kreisbehörde in Leer müssen dann täglich rund 12 000 Fahrzeuge durch den Emstunnel umgeleitet werden, um an das jeweils andere Ufer zu gelangen. Für Fußgänger und Zweiradfahrer wird eine Fähre eingesetzt. Wilfried Heikens verweist auf einen beträchtlichen volkswirtschaftlichen Schaden, weil Privatleute und Gewerbetreibende einen Umweg fahren müssen. Leeraner Kaufleute befürchten zudem Umsatzeinbußen.

Aus Sicht der Initiative ist die Brücke also der richtige Ort zum Protestieren. "Im Jubel um die Schiffsüberführungen geht unter, was deshalb mit der Ems passiert", sagt Mitglied Bruno Schachner, Fraktionsvorsitzender der Grünen und stellvertretender Bürgermeister in Leer. Darüber seien sich viele Schaulustige auf den Deichen nicht klar. Die Ems-Schützer prangern unter anderem die Verschlickung des Flusses und der Häfen sowie die Zerstörung des Lebensraums von Flora und Fauna an. Durch Ausbaggerungen träten zudem Risse in Gebäuden am Emsdeich auf. Vorgesehene Maßnahmen würden die Situation weiter verschlimmern. Dazu gehörten Verlegungen der Fahrrinne und stellenweise Vertiefungen des Flusses.

"Als Anwohnerin befürchte ich, dass die Deiche irgendwann nicht mehr standhalten", betont Birgit Rutenberg, die im Emsdorf Kirchborgum wohnt. Ehemann Hajo Rutenberg verweist darauf, dass die Krabbenfischer aus Ditzum und Greetsiel mit Blick auf weitere Ems-Ausbauten ihren Umzug angekündigt haben. Darunter werde der Tourismus in der Region leiden. Zudem habe der Steuerzahler für den Bau des Sperrwerks bei Gandersum, Aufstauungen, Vertiefungen und Begradigungen der Ems, die Deponierung von Schlick und weitere Maßnahmen bereits weit mehr als 500 Millionen Euro aufgebracht.

Zwar sind die Ems-Ausbauten auf den Schiffbau der Meyer Werft zurückzuführen. Die Demonstration richtet sich nach Angaben der Veranstalter aber nicht direkt gegen das traditionsreiche Schiffbauunternehmen. "Wir wollen deutlich machen, dass es auch andere Interessen gibt als die der Meyer Werft", sagt Meta Janssen-Kucz, ehemalige Landtagsabgeordnete und amtierende Kreistagsabgeordnete der Grünen. Ziel sei es, den zahlreichen Kritikern der Ems-Ausbauten eine Stimme zu geben. Das Ende der Fahnenstange sei längst erreicht. In Papenburg dürfe die Werft nur noch Schiffe bauen, die ohne weitere Maßnahmen durch den Fluss passten.

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