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Windkraft-Pioniere auf hoher See – Testfeld-Bau des ersten Windparks auf hoher See beginnt im Juli vor Borkum

Knapp zehn Jahre haben die Planungen in Anspruch genommen, in drei Monaten soll es losgehen: Voraussichtlich im Juli erfolgt der Baustart für Deutschlands ersten Windpark auf hoher See. Rund 45 Kilometer nördlich der ostfriesischen Insel Borkum sollen zwölf Windkraftanlagen mit einer Leistung von je fünfMegawatt installiert werden. "Einen Windpark unter diesen Hochseebedingungen gibt es bislang weltweit nicht", sagt Lutz Wiese, Sprecher des Offshore-Testfelds "alpha ventus".

Die Energiekonzerne Vattenfall, E.on und EWE sind eine Kooperation eingegangen, um das Testfeld zu betreiben. "45 Kilometer weit raus ist noch niemand gegangen", so Wiese. Nach seinem Kenntnisstand gebe es zwar einen Windpark rund 20 Kilometer vor der schottischen Küste. Wiese: "Das ist bis jetzt aber das höchste der Gefühle. Wir sind Pioniere auf dem Gebiet." In vergleichbarer Wassertiefe und in derart großer Entfernung zum Festland lägen weltweit bisher keine Erfahrungen mit dem Bau und Betrieb von Windkraftanlagen vor.

Die Vorbereitungen auf dem Festland laufen bereits auf Hochtouren. Laut E.on Netz GmbH soll der mit "alpha ventus" erzeugte Windstrom ab Oktober in das Stromnetz eingespeist werden. Zu diesem Zweck starten in dieser Woche die Bauarbeiten für das neue Umspannwerk Hagermarsch, kündigte Unternehmenssprecherin Cornelia Junge in Bayreuth an. Bis September soll das 1,2 Millionen Euro teure Umspannwerk im Kreis Aurich nahe der ostfriesischen Nordseeküste fertiggestellt werden.

Die auf Offshore-Windparks spezialisierte BARD Engineering GmbH mit Standorten in Bremen, Emden und Cuxhaven legt allerdings Wert darauf, dass "alpha ventus" zu Testzwecken entsteht. Man werde Deutschlands ersten kommerziellen Offshore-Windpark betreiben, betonte Unternehmenssprecher Andreas Kölling. Mit der Errichtung von insgesamt 80 Anlagen der Fünf-Megawatt-Klasse werde im April 2009 rund 100 Kilometer nordwestlich von Borkum begonnen. Die Inbetriebnahme des Windparks "BARD Offshore 1" sei im Jahr 2010 vorgesehen.

Auf einer Werft im litauischen Klaipeda hat die BARD-Gruppe jüngst das 50 Millionen Euro teure Spezialschiff "Wind Lift I" auf Kiel gelegt. Das 102 Meter lange und 36 Meter breite Kranschiff mit Helikopterdeck kann sich an vier 71 Meter hohen Beinen aus dem Wasser heben. Es verfügt neben einem Schwerlast- und einem Hilfskran über eine Vorrichtung, mit der die Fundamentrohre exakt positioniert in den Meeresboden gerammt werden können.

Zur Wartung des Offshore-Windparks dient ein weiteres Spezialschiff, das BARD auf der Werft "Abeking & Rasmussen" in Lemwerder (Kreis Wesermarsch) herstellen lässt. Die Rumpfform des 26 Meter langen Tenders ist besonders unempfindlich gegen Seegang. "Wir werden damit unsere Leute auch bei rauer See sicher zu den Windkraftanlagen und zurück zum Wohnbereich auf der Umspannplattform bringen können", sagt Jörg Fangmann, Geschäftsführer der BARD Service GmbH. Auf der Plattform direkt am Windpark sollen 20 Arbeitskräfte rund um die Uhr für die Wartung des Windparks bereitstehen.

Die BARD-Gruppe gehört damit zu den Vorreitern der Branche. Andere Investoren setzen ebenfalls große Hoffnungen in die Hochsee-Windparks. Nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg wurden bislang 20 Projekte in der Ausschließlichen Wirtschaftszone von Nord- und Ostsee genehmigt, darunter drei in der Ostsee. Laut BSH laufen Planungen für insgesamt 47 Vorhaben, darunter sieben in der Ostsee.

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