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Denglisch und Platt – Seite an Seite

Die CDU hat nun einen eigenen Arbeitskreis zum Erhalt der deutschen Sprache gegründet. Mission: Weg mit dem Denglisch. Eingesetzte Mittel: unklar. Denn dass sich deutsche Sprecher nicht den Mund verbieten lassen, leuchtet selbst Unionspolitikern ein. Deshalb geht die Politik nun mit gutem Beispiel voran. So sollen künftig alle Schriftstücke des Bundestages und der Regierung in purem Deutsch, ohne störende Anglizismen verfasst sein. Ob das Gros der Bevölkerung diese Schriftstücke allerdings jemals zu sehen bekommt, ist fraglich. Doch was meinen die Ostfriesen dazu?
Laut den Anrufen, die gestern bei der Ostfriesenzeitung eingingen, spricht sich eine gewaltige Mehrheit der Plattprooter gegen den Gebrauch des Englischen aus. Die Argumente reichen dabei von Irrungen und Wirrungen beim Einkauf (statt eines Radios gibt es nur noch Tuner) bis hin zum Unverständnis über „falsche“ Übertragungen aus dem Englischen. Denn wer denkt bei dem Wort „handy“ schon an seine englische Bedeutung „praktisch“? Vielmehr ist damit unser „mobiles Telefon“ gemeint, im Englischen schlicht mit „mobile“ bezeichnet. Die Konfusion ist also vorprogrammiert.

Und trotzdem handelt es sich bei den genannten Beispielen weder um „verhunztes“ Deutsch noch um falsches Englisch. Statt dessen repräsentieren sie einen ganz natürlichen Vorgang: den Sprachwandel, die Weiterentwicklung der deutschen Sprache. Ein Argument der CDU- Politiker, darunter die aus Leer stammende Kulturpolitikerin Gitta Connemann, kann dabei ent- kräftet werden: Dass der zunehmende Gebrauch des „Denglischen“ mit einem gestörten Verhältnis der Deutschen zu ihrer Vergangenheit zu erklären sei. Denn die Aufnahme fremd- sprachlicher Begriffe in das Deutsche ist kein Phänomen des 20. oder 21. Jahrhunderts: Bereits im Mittelalter nahm Latein Einfluss auf unser deutsches Sprachheiligtum. Geblieben sind davon bei- spielsweise die „Domina“ und das „Curriculum“. Unter den Preußen geziemte es sich dann, auf Französisch zu parlieren. Das Deutsche war in dieser Zeit hingegen gar nicht heilig. Viel- mehr wurde es als niedere Kommunikationsform, Soldaten und Pferden angemessen, empfunden. Dieser Zeit verdanken wir neben dem gemächlichen Schlen- dern über den „Boulevard“ auch die fruchtige „Konfitüre“.

Heutzutage sind es die Anglizismen, die zwar nicht für vornehme Umgangsformen, wohl aber für eine gewisse „Coolness“ (= Kühlheit??) stehen. Wer „hip“ und somit angesagt sein will, der bedient sich des „Denglischen“. Neben den Werbemachern sind dies vor allem „Teenager“, also Jugendliche sowie Junge und Junggebliebene. Doch Sprachwandel ist nicht nur eine Frage der Einstellung. Vielmehr ist eine Ausweitung des Vokabulars immer dann notwendig, wenn neue Produkte auf den Markt kommen, denen der bestehende Wortschatz nicht genug Gehör ver- schaffen kann. Denn wer hat schon Lust sich einen „Persönlichen Elektronenrechner“ anzu- schaffen, wenn er stattdessen einen Personal Computer – kurz PC – haben kann?

Sprachwandel – der Begriff sollte an dieser Stelle als Pflege der Sprachvielfalt und nicht als Sprachdezimierung verstanden werden. „Denglisch“ ist eine Form des Deutschen, die den bestehenden Sprachschatz bereichert. Gleichzeitig dürfen mögliche Verständnisprobleme keinesfalls außer Acht gelassen werden – Stichwort Verbraucherschutz. Denn dass gerade die ältere Generation, ohne oder nur mit Grundkenntnissen des Englischen ausgestattet, Schwie- rigkeiten bei der Produktwahl hat (Was war nochmal ein „Eye-Makeup-Remover“?), ist ver- ständlich. Ein neben dem „denglischen“ Terminus aufgeführtes „hochdeutsches“ Synonym auf dem Produkt kann hier Abhilfe schaffen. Klingt zwar nicht so elegant "Augenschminke-Entferner", doch dürfte nun klar sein, was gemeint ist.

Anstatt also mit der Bekämpfung des „Denglischen“ den Reichtum der deutschen Sprache zu beschneiden, sollte sich die Politik also lieber darum bemühen, dass dieser Reichtum wachsen kann. Neue Sprachschöpfungen und regionale Varianten gleichwertig zu fördern, lautet hier das Motto. Das Plattdeutsche dürfte hier an einer der obersten Stellen stehen. Die Politik sollte ihre Finanzen und ihre Energie lieber in die Unterstützung dieser Varietät des Deutschen stecken, beispielsweise durch genügend schulische Lehrangebote. Das macht jedenfalls mehr Sinn als Steuergelder für die Unterdrückung einer natürlichen Sprachentwicklung zu verschleudern.

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6 Responses to "Denglisch und Platt – Seite an Seite"

  1. Joker sagt:

    XD ach du scheiße … ich hoffe mal die machen das da nur in ihrem sitz dahinten XD das is ja wohl voll übel :D XD denglisch is die sprache der jugent ^^ das muss so XD ;)

  2. helge sagt:

    Wow – ich sage danke für einen langen und interessanten Beitrag an die liebe Kollegin Nina. Ach, Student müsste man noch sein, da hätte man vieeeeel Zeit. :-)

  3. Thomas sagt:

    …wobei die CDU und vor allem die CSU ja alles gelten läßt, was nicht englisch ist, vor allem aber Tradition hat…französisch und Latein sind für die auch deutsch…siehe Maischberger von letztem Dienstag ;-)

  4. Elmar sagt:

    DAS Curriculum.

  5. Friesenjung sagt:

    Ich weiss, der Kommentar kommt spät. Bin aber auch erst neu auf das Ostfriesenblog gestossen. ;)

    Über das Thema Englisch in Deutschland habe ich im September vergangenen Jahres bereits geschrieben:
    http://friesenjung.blogspot.com/2006/09/landratswahl.html

    Ok, war zwar eine andere Partei, aber anstatt “Es ist Deine Wahl” “It’s your choice” zu verwenden fand ich damals schon daneben.

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