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Düvel

"Satanisten!" schallt es durch Ostfriesland. Wie die Ostfriesischen Nachrichten aus Aurich jüngst vermeldeten, wurde eine evangelisch-lutherische Kirche lästerlich beschmiert. "Brot für die Welt und Kaviar für den Papst" steht nun an der Kirchenmauer. Dieser Spruch zeugt von genauso viel Einfallsreichtum der Täter wie das daneben an die Kirchenmauer gesprühte "Scheiß Kirche".

Aber noch viel mehr zeugt "Kaviar für den Papst" von einem fast schon lächerlichen Halbwissen. Lutheraner stehen zum Papst etwa genau wie Werder Bremen zu Uli Hoeneß, daher hat das beschmieren eines lutherischen Gotteshauses mit papstlästerlichen Sprüchen genauso viel Sinn, wie der Rausschmiss von Thomas Schaaf, weil die Bayern wieder verloren haben.

Vielleicht war "Kaviar für den Papst" ja aber auch kein Angriff auf den Nachfolger Petri, sondern nur ein frommer Wunsch. Denn der Pastor der Kirche, so stand es zumindest in den Ostfriesischen Nachrichten, vermutet wegen eines neben den Sprüchen aufgemalten umgedrehten Kreuzes Satanisten hinter dem Vorfall. Und da schon Luther im Papste den Antichristen sah, meinten die Urheber der Schmiererei das vielleicht gar nicht böse…

Oder es war doch einfach nur ein hormondurchfluteter Jugendlicher, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, bzw. von Papst und Satanismus. "Wat soll’s?" wird er sich gedacht haben. "So’n umgedrehtes Kreuz ist doch was gegen die Kirche, schmieren wir das doch hier mal dran. Das ärgert den Papst sicher." Ich stelle hier jedenfalls einfach mal die gewagte These auf, dass in kommender Zeit keine schwarzen Zirkel auf Friedhöfen von der ostfriesischen Polizei dabei ertappt werden, wie sie ebenso schwarze Katzen opfern.

Schließlich haben die Ostfriesen doch eigentlich ein ganz gesundes Verhältnis zum Höllenfürsten. Als Zeugnis dessen gelte hier einmal der Lieblngsfluch der Ostfriesen. "Satan Düvel Blixem!" Da wird der gute Teufel in einem einzigen Ausspruch gleich bei drei verschiedenen Namen genannt. Und der Spruch kann praktischerweise quasi immer angewandt werden. Was auch passiert – der Teufel ist Schuld.

Und dann kann man da je nach Situation und Vorliebe auch noch Abstufungen vornehmen. Den Fluch kann man komplett ("Satan Düvel Blixem!") oder ein Einzelteilen ("Satan!" oder "Düvel!" oder "Blixem!") verwenden, oder man kann sich eine der beiden möglichen Zweierkombinationen aussuchen ("Satan Düvel!" oder aber "Düvel Blixem!"). Eine wahnsinnige Bandbreite an herzlichen Ausrufen des Erstaunens oder des Ärgerns, welche die Ostfriesen sich vom Teufel abgeguckt haben. Aber kein Grund , deswegen gleich eine schwarze Katze zu schlachten. Denn das kaum weniger beliebte sprichwörtliche Gegenstück lautet nich umsonst "Harrijasses"…

Aber zurück zum Zeitungsbericht. Das zugehörige Foto der Kirchentür zeigt ein im Text nicht erwähntes undefinierbares Symbol, was dort von den Übeltätern aufgetragen wurde. Vielleicht ein missverstandendes und misslungenes Pentragramm, wenn wir bei den Satanisten bleiben wollen.

Wenn die Schmierereien allerdings nicht an der Kirchenmauer, sondern an der Tür der örtlichen CDU-Geschäftsstelle gelandet wären, dann hätte man darin sicher ein Anarchie-Zeichen gelesen. Und als Täter linke Chaoten vermutet. Doch ich denke, bevor wir in Ostfriesland einige Anarchisten auf dem Friedhof eine schwarze Katze opfern sehen, gehen noch einige Jahre ins Land.

In diesem Sinne: Düvel Blixem!

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2 Responses to "Düvel"

  1. Helge sagt:

    Hehe, sehr gut. Allein schon wegen des Ausspruchs “Satan Düvel Blixem!” lohnt sich doch schon das Erlernen des Plattdeutschen. Wenn ich jemandem außerhalb Ostfrieslands von meinen friesischen Wurzeln erzähle, werde ich als erstes gefragt, ob ich platt spreche. Da ich das leider verneinen muss, ist mein Bonus schnell wieder aufgebraucht. Ich sollte mal ein ernstes Wort mit meiner Mutter austauschen, die hat den Spracherwerb nicht gefördert … liebend gerne hätte ich stattdessen auf das Klavierspielen verzichtet.

  2. Nina sagt:

    Da tippe ich auch eher auf den hormondurchfluteten Jugendlichen oder den ahnungslosen Möchtegernsatanisten. Aber solange es bei diesem Einzelfall bleibt, muss man sich eh keine Gedanken machen. Verwundern tun mich solche Dinge sowieso nicht, bedenkt man das meist karge Freizeitangebot für Jugendliche: Langeweile verleitet manchmal zu solch hohlen Aktionen. Deshalb mein Appell an alle Sittenhüter, die nun aus dem Häuschen sind: Gebt der Jugend was zu tun, dann ists bald vorbei mit dem geschmierten Blödsinn;-)

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