4

Haus 2.0 – Heimautomation mit RWE SmartHome

Stichwort Hausautomatisierung: Die Vorstellung, dass man Hauselektronik wie beispielsweise Markisen, Rollladen oder Licht automatisiert und zentral steuert, ist faszinierend. Bereits während unseres Hausbaus vor nunmehr fast zwei Jahren hatte ich mit dem Gedanken gespielt, die Hauselektronik durch ein Bus-System miteinander zu vernetzen. Steckdosen, Schalter und Geräte werden hierbei über ein spezielles Kabel vernetzt und über eine zentrale Steuereinheit bedient. Ein derartiges kabelgebundenes System, realisiert etwa über den KNX-Standard, ist jedoch ziemlich teuer. Die Kosten summieren sich je nach Ausstattung auf mehrere zehntausend Euro. Für Normalsterbliche definitiv zu viel, eine preiswertere Alternative für die Zeit nach dem Hausbau musste her.

Wirkungsvolle Werbung: SmartHome von RWE

Wie gut, dass es Werbung gibt. Vor einigen Monaten bin ich auf das drahtlose Hausautomatisierungssystem „SmartHome“ des Stromriesen RWE gestoßen. Der Essener Konzern muss in den letzten zwölf Monaten die Geldspeicher geplündert und ein Vermögen in die Marketing-Aktivitäten gesteckt haben. „VoRWEg gehen“ dürfte mittlerweile jedem Bundesbürger aus Werbspots in Funk und Fernsehen sowie Anzeigenmotiven in Zeitungen und Zeitschriften bekannt sein. Ziel der Markenkampagne ist es, die Neuausrichtung des Konzerns zu vermitteln: „RWE denkt und geht voraus – RWE übernimmt Verantwortung – RWE ist innovativ.“ Um diese Neuausrichtung respektive schönen Worte mit Leben zu füllen, hat der Stromkonzern mit „SmartHome“ im letzten Jahr ein drahtloses Heimautomationssystem vorgestellt. Das passt ins Konzept, ist es doch eine relativ junge, innovative Technik zum vergleichsweise kleinen Anschaffungspreis. Außerdem können Haushalte durch „smarte“ Technik Energie und damit bares Geld sparen – zumindest in der Theorie.

Apple lässt grüßen: Auch die Verpackung der SmartHome-Geräte ist optisch ansprechend gestaltet.

Vor ein paar Tagen, am „SmartFriday“, habe ich ein stark rabattiertes Angebot genutzt und mir im SmartHome-Shop von RWE die Steuerungszentrale und einige Komponenten für die Erstinstallation zugelegt. Zum Start habe ich mir über Aktionspakete die Zentrale, vier Zwischenstecker für die Steckdose, einen Unterputz-Lichtschalter sowie ein Heizungsthermostat gegönnt. Die Technik-Kasse ist damit erst mal wieder leer, zur Inbetriebnahme und zum Ausprobieren reicht diese Auslese jedoch allemal.

Bei der Technik sind Ostfriesen am Werk

Das SmartHome-System von RWE ist keine Eigenentwicklung. Es handelt sich um eine modernisierte Fassung des etablierten Homematic-Systems der Firma ELV/eQ-3 aus dem ostfriesischen Leer. Im Unterschied zu Homematic ist das Funknetz von SmartHome nach Angaben von RWE  verschlüsselt (AES-128, zur Sicherheit vgl. aber diese Diskussion). Außerdem schmeicheln die Komponenten des SmartHome-Systems dem Auge, sind sie im Vergleich zu Homematic optisch doch wesentlich ansprechender gestaltet. Die Verleihung des begehrten RedDot-Design-Awards an RWE für die SmartHome-Geräte belegt dies.

Einfache Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme von SmartHome ist einfach. Die weiße, schicke Zentrale wird per Lan-Kabel mit dem Router oder einer Netzwerkdose verbunden und über das Netzkabel an das Stromnetz angeschlossen. Ein WLAN-Modul hat RWE leider nicht verbaut, was die Wahl des Standortes leider beschränkt. Dafür ist immerhin ein Netzwerkkabel inklusive. Ist dieses mit dem heimischen Netzwerk verbunden, lädt sich die Zentrale, die von dem Betriebssystem Windows Embedded CE gesteuert wird, einige Updates herunter und bringt die Software auf den neuesten Stand. Nach der Aktualisierung wird im Display ein Code angezeigt, den man sich notieren muss. Den achtstelligen Code im Display benötigt man für die browserbasierte Einrichtung. Hierzu ruft man über das Internetzugangsprogramm eine URL auf und trägt im Anmeldeprozess Benutzername, E-Mail-Adresse (Verifizierung via Opt-in), Passwort und Pin-Code ein. Ärgerlich: Die Applikation basiert auf Microsofts Silverlight-Webtechnologie, die auf dem iPad nicht funktioniert. Die Einrichtung des SmartHome-Systems musste ich daher am PC fernab der Zentrale vornehmen. Am besten installiert man sich die zusätzlich erhältliche Desktop-Software, auf die man während des Zugriffs hingewiesen wird. Diese Lösung ist wesentlich stabiler als die Online-Variante und etwas komfortabler zu bedienen.

Im Betrieb zeigt die Zentrale im Display die aktuelle Uhrzeit und das Datum an. Über einen Schalter unterhalb des Displays lässt sich die Zentrale neu starten. Ein weiterer Schalter an der Seite dient zum Kappen der Internet-Verbindung. Der Zugriff auf die  Zentrale über das Internet lässt sich also sinnvollerweise unterbinden. Außerdem sind zwei USB-Anschlüsse vorhanden, die aber nicht weiter dokumentiert sind. Unschön: Die Beleuchtung des Displays kann nicht deaktiviert werden (wir wollen ja schließlich Strom sparen).

Los geht’s mit der Montage

Das SmartHome-Thermostat fest montiert am Heizkörper. Das Display zeigt die Soll-Temperatur an.

Um das System einzurichten, bindet man zunächst die Komponenten ein. Am einfachsten geht das mit den Zwischensteckern für die Steckdosen. Diese werde einfach in die vorhandenen Steckdosen gestöpselt. Ebenso problemlos ist die Montage des Thermostats am Heizkörper. Hierzu tauscht man den vorhandenen Thermostat-Aufsatz mit dem batteriebetriebenen SmartHome-Thermostat aus. Wenn der Aufsatz nicht zu fest sitzt, schafft man den Wechsel in einer Minute. Bei mir passte der Schraubverschluss an einem Heizkörper auf Anhieb, an einem anderen Radiator musste ich einen der mitgelieferten Adapter verwenden. Im Onlineshop von RWE gibt es zusätzlich eine große Auswahl an Adaptern für unterschiedliche Heizkörper-Modelle.

Wesentlich fummeliger wird die Installation beim Unterputz-Lichtschalter: Hier muss man zunächst Schalter und Rahmen entfernen sowie anschließend die Unterputz-Vorrichtung des Schalters austauschen. Nicht vergessen: Die Sicherung vor dem Ausbau unbedingt rausnehmen und ggf. den Austausch lieber durch einen Elektriker durchführen lassen!

Weiter mit der Identifizierung

Sind alle Geräte installiert, sucht man sie über die Software. Dazu drückt man auf den Zwischensteckern und dem Thermostat eine Taste, sodass die Zentrale die Geräte über Funk identifizieren kann. Der Unterputz-Stecker sendet sein Signal durch Betätigung des Schalters aus. In der Software erscheinen die gefundenen Geräte als Symbole, die sich per per Drag & Drop einem virtuellen Raum (Wohnzimmer, Schlafzimmer etc.) zuweisen lassen.

Nach der Identifizierung legt man die Eigenschaften des Gerätes fest. Ob Kindersicherung, ob Frost- oder Schimmel-Warnung oder Minimal- respektive Maximalwert – die Einstellungen bieten einige Möglichkeiten. Besonders flexibel wird man durch die Möglichkeit, Profile für einzelne Räume oder das ganze Haus zu definieren. Allgemein unterscheidet man zwischen Ereignis- („wenn x passiert mache y“) und Zeitprofilen („von 10 Uhr bis 12 Uhr“). Nett: Einen virtuellen Bewohner kann man ebenfalls als Profil auswählen; das Profil steuert alle zugewiesenen Geräte nach dem Zufallsprinzip. Ideal beispielsweise, wenn man in den Urlaub fährt und die Anwesenheit einer Person im Haus simulieren möchte.

Die Konfiguration und die Einstellungen werden sowohl in der Zentrale als auch als Sicherheitskopie auf einem Server von RWE gesichert. Den Datenschutzbestimmungen von RWE zufolge werden  auf dem Server keine Informationen über  das gespeichert, was tatsächlich im Haus passiert. Wir glauben das einfach mal.

SmartHome in der Praxis

Zwei der Zwischenstecker. Auf der unteren Seite (nicht zu sehen) befindet sich ein Schalter, mit dem man die Stecker manuell an- oder ausschalten kann.

Über die Zwischenstecker steuere ich mittlerweile mehrere Steh- und Tischlampen im Wohnzimmer, um es morgens und abends ohne weiteres Zutun durch indirekte Beleuchtung besonders heimelig zu haben. Der verbaute Unterputz-Lichtschalter dient dazu, die mit einem Bewegungsmelder versehene Außenlampe in einem bestimmten Zeitfenster anzustellen. Bislang musste ich die Leuchte über einen Schalter manuell an- und ausschalten. Letzteres habe ich häufig vergessen, was insbesondere während des Tages ärgerlich ist, da so unnötigerweise Strom verbraucht wird. Das Heizkörper-Thermostat ist im Badezimmer montiert und sorgt dort vor dem Aufstehen und abends vor dem Gang ins Bett für eine angenehm kuschelige Temperatur.

Für die nahe Zukunft plane ich eine Erweiterung des Systems durch Schalter für die Rollläden. Außerdem stehen Rauchmelder ganz oben auf meiner Wunschliste. Über deren Montage und das Zusammenspiel mit den anderen Komponenten werde ich in einem weiteren Blogbeitrag berichten.

Nicht möglich ist leider die Steuerung unseres Belüftungssystems über die SmartHome-Geräte. Eigentlich wollte ich die Leistung der Belüftung erhöhen, wenn im Badezimmer das Licht eingeschaltet wird. Die Leistung des Belüftungssystems wird über einen Stufenschalter festgelegt, der allem Anschein nach in der Steuerelektronik unterschiedliche Widerstände schaltet, mit denen wiederum die Leistung gesteuert wird. Mit einem System wie SmartHome kann man das Belüftungssystem leider nur ein- und ausschalten. Diese und viele weitere nützliche Hinweise und Antworten erhält man übrigens  im inoffiziellen Smarthome-Forum.

Steuerung von unterwegs

Wenn die Online-Anbindung aktiviert ist, lassen sich die eingebundenen Komponenten sogar von unterwegs über Browserzugriff und auf iOS-Geräten über native Apps steuern. Die Darstellung der App orientiert sich an der Silverlight-Oberfläche der PC-Version. Man kann mit zwei Fingern die Oberfläche durch Zoomen vergrößern und Schalter und Profile verschieben. Die Symbole verändern sich leider nicht, stattdessen gibt es lediglich einen Positionswechsel. Alles in allem ist die Darstellung eher unübersichtlich. Die Steuerung der Geräte funktioniert jedoch einwandfrei.

Per IOS-App lassen sich die einzelnen Geräte steuern. Hier ein Bild vom iPad.

Der mobile Zugriff auf die Zentrale ist aktuell im Kaufpreis enthalten und wird nach 24 Monaten kostenpflichtig (derzeit sind 14,95 Euro pro Jahr vorgesehen). Der Zugriff über das Heimnetzwerk ist auch nach Ablauf der zwei Jahre kostenfrei möglich. Eine Android-App ist vor vielen Monaten angekündigt worden, bislang aber noch nicht erschienen. Meine Vermutung: Die kommt nicht mehr. Stattdessen wird es in Zukunft eine übergreifende HTML5-Web-App für den Einsatz auf  mobilen Geräten geben.

Mein Fazit

Die Hausautomatisierung mit dem SmartHome-System von RWE ist mehr als nur ein reines Männerspielzeug. Zugegebenermaßen wird der Spieltrieb nach der Erstinstallation geweckt. Doch über die Zeit- und Ereignisprofile lassen sich sinnvolle Szenarien realisieren, die vor allem den Komfort zu Hause erhöhen. Zudem lässt sich der Strom- oder Wärmeverbrauch durch die smarte Hausautomatisierung sicherlich etwas reduzieren. Die zuvor angesprochene Steuerung der Außenleuchte ist dafür ein Beispiel. Um von den Vorteilen der drahtlosen Heimautomation spürbar zu profitieren, müssen jedoch viele verschiedene Komponenten miteinander kombiniert werden. Dazu sind in Summe erhebliche Ausgaben nötig.

An der Hardware ist nichts auszusetzen. Die Geräte sind optisch ansprechend, zeugen von guter Qualität und funktionieren bislang ganz wie erwartet. Enttäuscht bin ich dagegen von der Software. Sie ist instabil und bietet noch viel Verbesserungspotenzial. RWE hat allerdings bereits angekündigt, von Silverlight auf HTML5 zu wechseln. Eine Roadmap gibt es allerdings nicht.

Zu hoffen bleibt, dass RWE in Zukunft weitere Komponenten für SmartHome veröffentlichen wird, etwa UP-Steckdosen oder UP-Doppelschalter.

Comments

comments

Powered by Facebook Comments

Abgelegt in: Digitalia Tags: , , , , ,

Get Updates

Share This Post

Related Posts

4 Responses to "Haus 2.0 – Heimautomation mit RWE SmartHome"

  1. Mathias sagt:

    An sich eine super spannende und hilfreiche Technik. Doch ehe die Heimautomation salonfähig und für die Masse erschwinglich wird, werden noch einige Jahre vergehen.

  2. Neo sagt:

    Ich denke man sollte sich das mal von AVM anschauen.

  3. Micha sagt:

    Habe mir die Haussteuerung von RWE SmartHome auch zugelegt:-) Hat zwar ewig gedauert bis alles funktionierte, aber jetzt bin ich glücklich, dass ich mich dafür entschieden haben^^ Tipp: Ich habe mit einem 10 Euro Gutschein von RWE gespart und online bestellt:-) Habe den Link mal bei der Webseiten-URL mit reingeschrieben. Lg Micha

Leave a Reply

Submit Comment

© 2017 Ostfriesenblog.de. All rights reserved.