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Ausgepackt: Meine Meinung zur dritten Generation von Apple-TV

Apple-TV: Schwarz, schlank und schön. Aber auch nützlich?

Braucht man die Set-Top-Box Apple-TV? Ich habe lange mit dem Gedanken gespielt, meinen heimischen Apfel-Salat um eine weitere Zutat zu erweitern. Sehr oft habe ich den Gedanken an eine positive Antwort wieder verworfen. Kurz vor Weihnachten hat mich unglücklicherweise ein Vertreter des Weihnachtsmannes kontaktiert und mich nach meinem Weihnachtswunsch gefragt.

Ich kann mich genau daran erinnern. Es war einer dieser regnerischen, düsteren Tage im vergangenen Dezember. Von Schnee keine Spur. Ich saß auf dem Sofa und ich war schwach. In diesem Moment überlagerte der Wunsch nach neuer Technik den Vernunftgedanken. Denn eigentlich hätte ich neue Hemden gebrauchen können. Aber wer wünscht sich schon Hemden zu Weihnachten? Ich jedenfalls nicht. So kam es, dass ich am Weihnachtsabend die dritte Generation der kleinen schwarzen Streaming-Box von Apple auspacken durfte.

Lieferumfang, Anschlüsse und Installation

Apple selbst bezeichnet seine Streaming-Box gelegentlich in Stellungnahmen als Hobbyprojekt, wenngleich das Unternehmen aus Cupertino weltweit bereits mehrere Millionen Einheiten verkauft hat. Schauen wir uns den Streaming-Client also etwas näher an.

Wie von Apple gewohnt, wird das Gerät in einer schicken, in diesem Fall würfelförmigen Verpackung ausgeliefert. Im Inneren liegen die kompakte, schwarz-glänzende TV-Box, eine silberne, minimalistische Fernbedienung mit wenigen Tasten und ein handelsübliches Netzkabel. Der beiliegenden Schnellanleitung habe ich keine weitere Beachtung geschenkt. Ein HDMI-Kabel zum Anschluss an den Fernseher und ein LAN-Kabel zum Anschluss an das heimische Netzwerk gehören nicht zum Lieferumfang.

Am Gerät befinden sich HDMI-Anschluss, LAN-Buchse, Stromversorgungsbuchse und ein optischer Ausgang. Zudem ist

ein Micro-USB-Anschluss vorhanden, an den jedoch keine USB-Sticks und Festplatten angeschlossen werden können. Tasten zur Bedienung hat Apple an der Streaming-Box nicht verbaut.

Im eingeschalteten Zustand leuchtet eine kleine weiße Diode am Gehäuse des Gerätes auf und signalisiert Betriebsbereitschaft. Für die AV-Übertragung habe ich die Box bei mir über HDMI an den Verstärker angeschlossen. Von dort geht ein weiteres Kabel in den HDMI-Port des Fernsehers. Um in den Genuss des Apple-TV-Startbildschirms zu kommen, wähle ich lediglich den entsprechenden Ein- und Ausgang am TV-Gerät und Verstärker aus.

Einrichten und mit iTunes verbinden

Die Einrichtung von Apple-TV ist kinderleicht. Wer die Verbindung zum Netzwerk über WLAN herstellt, muss lediglich sein WLAN-Passwort eingeben. In meinem Fall habe ich die Verbindung über ein LAN-Kabel realisiert. Ärgerlich: Das Gerät hatte Schwierigkeiten, sich Uhrzeit und Datum aus dem Netz zu holen, so dass ich die Set-Top-Box zunächst nicht richtig konfigurieren und mich infolge dessen nicht mit iTunes verbinden konnte. Mit ein wenig Recherche im Netz war das Problem schnell gelöst: Ich musste den Router neu starten und dann lief alles so wie es sollte.

Zunächst verknüpft man Apple-TV mit seinem iTunes-Konto. Gewöhnungsbedürftig ist die Eingabe von Buchstaben und Zahlen (Benutzername, Passwort) über die virtuelle Bildschirmtastatur mit Hilfe der Tasten auf der Fernbedienung. Wesentlich einfacher ist die Eingabe über die iOS-App „Remote“, die man sich für iPhone und iPad aus Apples App-Store kostenlos herunterladen kann.

Startbildschirm, Menüs und Bedienung

Nach erfolgreicher Anmeldung bei iTunes erweitert sich der übersichtlich gestaltete Startbildschirm um zusätzliche Anwendungen. Auf dem Startbildschirm befinden sich oben die großformatigen Cover-Abbildungen der aktuellen Top-Filme aus dem iTunes-Store – quasi eine Art Schnellzugriff. Darunter liegt das eigentliche Hauptmenü mit den App-Icons „Filme“, „Musik“, „Computer“ und „Einstellungen“. Im dritten Teilbereich des Bildschirms sind weitere Apps aufgeführt, mit denen sich Anwendungen wie YouTube, Watchever und Apple-Kinotrailer aufrufen lassen.

Apple-TV, 3. Generation: Ein übersichtlicher Startbildschirm begrüßt den Nutzer und lädt zum Konsumieren von iTunes-Inhalten ein.

Zunächst zum Menüpunkt „Filme“: Das Aufstöbern von Filmen im iTunes-Store ist intuitiv. Die neuesten Filme werden mit großflächigen Covern (Posteransicht) auf dem Startbildschirm angezeigt. Zusätzlich gibt es Genre-Übersichten, eine Rubrik mit Empfehlungen, eine Übersicht der geliehenen Filme und eine Merkliste. Besonders gut implementiert ist die Suchfunktion. Sofern verfügbar, werden die gesuchten Filme nach Eingabe bereits weniger Buchstaben angezeigt. Nach Auswahl eines Filmes erhält man auf einer Detailseite eine Kurzbeschreibung, Informationen zu Darstellern und Regisseuren sowie Hinweise auf ähnliche Filme. Trailer lassen sich ebenfalls abrufen. Leider sind viele der Vorschau-Filmchen lediglich Anfangsszenen aus den Filmen. Nur bei neueren Videos und den Blockbustern kommt man in den Genuss von Trailern wie man sie aus dem Kino kennt und schätzt.

Ausleihe von Filmen via iTunes

Die Ausleihe eines Filmes erfolgt durch zweimaliges Drücken der OK-Taste auf der Fernbedienung. Abgerechnet wird durch die im iTunes-Account hinterlegte Zahlungsmethode. Befindet sich auf dem iTunes-Konto ein Guthaben, so wird dieses zur Zahlung genutzt. Eine Auswahlmöglichkeit besteht auf Apple-TV nicht. Hat man sich für einen Film entschieden, hat man 30 Tage Zeit, um sich den Film anzusehen. Einmal angefangen, verbleiben 48 Stunden, um ihn bis zum Ende zu sehen.

Die Auswahl der Filmqualität beschränkt sich auf die Wahl zwischen SD und HD. Zwischen 720p und 1080p wird bei HD nicht unterschieden. Für HD-Streaming empfehle ich aus Erfahrung einen 16 MBit DSL-Anschluss, theoretisch reichen allerdings auch 6 MBit aus. Die Filme kosten im Verleih in HD-Qualität in der Regel 3,99 Euro. Top-Filme kosten 4,99 Euro. SD-Filme sind in der Regel etwas preiswerter. Die Bildqualität der gestreamten HD-Videos war bei mir bislang immer top. Sie kommt jedoch logischerweise nicht an die Qualität einer Blu-ray-Scheibe heran. Die Grundlage für die Übertragung ist bei mir ein 100 Mbit-Anschluss von Unitymedia.

Weitere Funktionen

Über den Menüpunkt „Musik“ erfolgt der Zugriff auf die eigene Musiksammlung, wenn diese mit Hilfe von Apples kostenpflichtigem Angebot „iTunes-Match“  in der Cloud gespeichert ist. Wer Musik, Fotos oder Videos auf heimischen Rechnern liegen hat, kann über den Menüpunkt „Computer“ auf Inhalte, die in der iTunes-Datenbank auf dem heimischen PC abgelegt sind, zugreifen. Dazu muss auf dem Computer die Funktion „Privatfreigabe“ im iTunes-Programm aktiviert sein. Leider spielt Apple-TV lediglich Videos ab, die im Apple-freundlichen Format vorliegen. Was freundlich ist, definiert Apple.

Wie bereits erwähnt bietet Apple-TV auch Zugriff auf Anwendungen wie YouTube, FlickR, Watchever, Vimeo oder Radiostreams aus dem Internet. Nette Zugaben, die ich jedoch im Alltag bis auf die YouTube-App nicht benötige. Im Bereich „Einstellungen“ lässt sich unter anderem ein Bildschirmschoner konfigurieren, der Foto-Diashows auf das TV-Gerät zaubert. Außer den vorgegebenen Apps können keine weiteren Programme installiert werden. Dazu ist ein Hack („Jailbreak“) notwendig, der für die dritte Generation von Apple-TV nicht verfügbar ist.

Airplay und Airplay-Mirroring

Via „AirPlay“-Funktion lassen sich Musik und Filme von iOS-Geräten oder Rechnern mit installiertem iTunes komfortabel an Airplay-kompatible Geräte umleiten. Apple-TV fungiert somit als Empfänger. Im Test ließen sich über LAN die von mir am heimischen PC via iTunes gekauften HD-Videos problemlos auf Apple-TV streamen und auf dem TV-Bildschirm genießen. Via WLAN-Verbindung war die Verbindung eher instabil, unschöne Ruckler waren die Folge.

Über die Funktion „AirPlay Mirroring“ lässt sich der Bildschirminhalt eines mobilen Gerätes auf den Fernseher projizieren. Leider wird das Bild auf dem TV nur im 4:3 Format dargestellt und nicht skaliert. Auf  großen Fernsehern lässt sich aus ein paar Metern Entfernung kaum noch etwas erkennen. Wer überlegt hat, den Safari-Browser zur Surfen auf den TV-Bildschirm zu beamen, wird also enttäuscht sein. Wesentlich besser für das Mirroring geeignet sind Apps oder Spiele, die Vollbildunterstützung bieten. Spiele mit schnellen Bildfolgen sind allerdings nur bedingt genießbar – eine leichte Verzögerung bei der Darstellung muss man in Kauf nehmen.

Fazit: Meine zwei Cents zu Apple-TV

Als Streaming-Client für den Genuss von Filmen auf dem Fernseher via iTunes-Ausleihe ist die Apple-TV-Box wirklich super. Für diesen Zweck ist sie primär ausgelegt. Die Bedienung ist flott und intuitiv, die Oberfläche mutet modern und einladend an.

Wer gerne aktuelle Filme schaut und Apples Audio-/Video-Vergnügungslandschaft mag, wird mit Apples Set-Top-Box definitiv glücklich. Man sollte sich allerdings bewusst machen, dass man für einen funktional sehr eingeschränkten Empfänger um die 100 Euro ausgibt. Ein vergleichbares Filmangebot kann ebenso über Maxdome & Co über kostenlose, im TV-Gerät integrierte Apps empfangen werden. Zudem sind die Streaming-Angebote von Wettbewerbern zum Teil etwas preiswerter. Lediglich auf den Bedienkomfort muss man verzichten.

Für diejenigen, die ihre über iTunes erworbenen Videos via Airplay-Funktion auf den TV-Bildschirm oder Musik an den Verstärker delegieren möchten, ist Apple-TV ebenfalls eine Überlegung wert. Allein für Letzteres ist Apples „Airport Express“ sicherlich die preiswertere Variante.

In Summe bereue ich den Eintrag auf den Wunschzettel nicht, wenngleich sich meine Begeisterung für Apple-TV in Grenzen hält. In Zukunft werde ich Apple-TV nutzen, um Filme bei iTunes auszuleihen und um YouTube-Inhalte vom iPad auf den Fernseher zu streamen. Mein Lieblingsspielzeug im Wohnzimmer bleibt allerding der eigene HTPC mit dem Mediencenter XBMC.

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