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Die aufgezwungene Expansion

Zugegeben, es ist für den durchschnittlichen Butenlanner nicht immer ganz einfach nachzuvollziehen, was und wo genau denn nun Ostfriesland ist und warum die Einheimischen es da teilweise etwas übergenau nehmen. Wer begreift schon den Unterschied zwichen Ostfriesen, Oldenburger Friesen und weiß der Geier was noch für Friesen. Selbst für die "Stammesbrüder" in Nordfriesland und Westerlauwers-Friesland ist das gesamte Land zwischen Dollart und Weser schlicht und ergreifend "Ååstfraschlönj" oder "East-Fryslân".

Warum soll sich also der gemeine Deutsche groß Gedanken über die gelegentlich doch etwas sehr kleinteilige Auffassung der Einheimischen über das "wahre Ostfriesland" machen?

Das soll auch gar nicht verlangt werden. Nicht umsonst werben Ostfriesen, Oldenburger Friesen und sogar die unfriesischen Ammerländer gemeinsam unter der Dachmarke "Ostfriesland" um Touristen, auch wenn sonst als gemeinschaftliche Bezeichnung doch eher das "Bindestrichostfriesland" – also "Ost-Friesland" bevorzugt wird.

Nein, das alles muss der Auswärtige nicht begreifen. Aber irgendwo ist dann doch mal Schluss mit dem Verständnis. So findet sich heute in einem Kommentar der "Frankfurter Neuen Presse" zum jüngsten Bundesligaspieltag folgende Wendung: "Die meisten Bedenken muss man derzeit bei Werder Bremen haben, denn die in den Sternen stehende sportliche Zukunft von Frings und Klose raubt den Ostfriesen viel von ihre Souveränität der Hinrunde."

Wie soll man das denn bitte verstehen? Vielleicht meint der Autor das ja tatsächlich so: Weil Frings und Klose nicht so tun wie gewünscht, tun dafür andernorts Ostfriesen ebenso nicht mehr ganz wie gewohnt. Wahrscheinlicher ist allerding, dass der Autor die Schmerzgrenze der Ostfriesen bezüglich des Unverständnisses ihrer Landesgrenzen dann letztendlich doch überreizt hat.

Denn Bremen liegt genauso wenig in Ostfriesland wie Frankfurt in Österreich liegt. Und der Expansionsdrang Ostfrieslands fand schon vor 400 Jahren sein Ende, als Graf Enno III. seinen Bruder mit seiner Tochter verheiratete, beide nach Rietberg abschob und dafür das Harlingerland an Ostfriesland angliederte. Aber weder Bremen noch das Weserstadion liegen in Ostfriesland, auch wenn regelmäßig zahlreiche Ostfriesen dorthin pilgern. (Nicht umsonst wurde der Vorsitzende der Werder-Fanclubs Moormerland jüngst zum Fan des Jahres gewählt.)

Schließen möchte ich daher mit einem alten friesischen Sprichwort: "Ein Dieter Eilts macht noch kein Ostfriesland. (Aber fast.)"

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One Response to "Die aufgezwungene Expansion"

  1. Axel Berke sagt:

    Hmmm….Frankfurter Neue Presse….das mir dieses Blatt nicht geläufig ist, muss natürlich nicht bedeuten, dass dort kein Pulitzer-Preis-verdächtiger Journalismus betrieben wird. Allerdings zerreißt es einem “Bremer Jung” fast das Herz, wenn die Heimatstadt so wahllos auf der Landkarte hin und her gerückt wird. Da bleibt einem Nichtjournalisten doch nur die Feststellung: den Ostfriesen ihr Ostfriesland, den Bremern ihr Bremen und den Frankfurtern ihre Würstchen….

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