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Die verschwundene Insel: Museum erinnert an Geschichte von Buise

Auf der Suche nach Relikten aus vergangener Zeit ist Axel Heinze seit 25 Jahren im Watt der ostfriesischen Nordseeküste unterwegs. Immer wieder stößt der Studienrat auf Knochen, Steine, Metallreste, Keramik und Münzen sowie auf Spuren von Deichen, Brunnen und Bestattungen. "Das Watt war einst eine bewohnte Landschaft, dort haben vor 2000 Jahren Menschen gelebt", sagt der 59-jährige Leiter des Museums "Leben am Meer" in Esens. Durch den Anstieg des Meeresspiegels seien im frühen Mittelalter unzählige Siedlungen zerstört worden. Auch eine Insel versank in den Fluten. An die Geschichte der verschwundenen Insel Buise erinnert das Museum in Esens mit einer kleinen Ausstellung.

Im Niedersächsischen Staatsarchiv in Aurich habe ich einen Erbschaftsvertrag aus dem 14. Jahrhundert entdeckt, in dem zum ersten Mal die Namen aller ostfriesischen Inseln erwähnt werden", berichtet Heinze. Während Norderney in der Auflistung noch fehlte, war Buise genannt. Auf einer Landkarte von 1589 ist das Eiland ebenfalls eingezeichnet. "Buise muss sehr groß gewesen sein, vielleicht vergleichbar mit dem heutigen Norderney", sagt Heinze. Nach seiner Überzeugung haben dort Menschen gewohnt. Heinze: "Darauf deutet der Erbschaftsvertrag hin. Außerdem stammen auf Juist gefundene Pferdeknochen offenbar von Buise." Dünen ließen sich noch bis 1650 nachweisen. Heute erinnere das Buisetief zwischen Juist und Norderney an die verschwundene Insel.

Durch eine Zusammenarbeit mit niederländischen Wissenschaftlern hofft der Museumsleiter auf weitere Erkenntnisse. Denn auch die westlich der Emsmündung gelegene Insel Bosch verschwand von der Bildfläche. Inzwischen hat sich ein bilateraler Arbeitskreis mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachbereichen gebildet. Die Mitglieder befassen sich mit den Auswirkungen, die der Anstieg des Meeresspiegels vor Jahrhunderten an der Nordseeküste hatte. Heinze: "Die Forschungsergebnisse von Historikern, Geologen und Volkskundlern werden zusammengefasst, um in Zeiten des Klimawandels aus der Geschichte zu lernen." Im niederländischen Groningen wurde zu diesem Zweck eigens eine Stiftung gegründet.

Die Entwicklung der Inseln hänge von der Entwicklung des dahinter liegenden Gezeitenbeckens ab, fügt der Museumsleiter hinzu. Denn der Kern der ostfriesischen Inseln besteht aus Sandbänken, die von den Wellen der Nordsee aufgeworfen wurden. Zwischen den Sandbänken befinden sich Öffnungen. Bei Flut strömt das Wasser aus der Nordsee durch diese so genannten Seegaten hinein, bei Ebbe wieder heraus. Im 15. Jahrhundert floss deutlich mehr Wasser durch die Seegaten. Denn nicht nur der Meeresspiegel war angestiegen. Auch hatten Sturmfluten zum Einbruch des Dollarts an der Emsmündung geführt und das Gezeitenbecken vergrößert. Es bildeten sich neue Seegaten. Heinze: "Die Insel Buise wurde dadurch in zwei Teile zerlegt. Aus dem alten Ostende entstand offenbar Norderney."

Aufgrund dieser Erfahrungen betont der Museumsleiter: "Inseln sind geologische Gebilde, die ständigen Veränderungen unterliegen." Wenn der Mensch an diesen Veränderungen beteiligt sei, werde das Gleichgewicht gestört. "Auch der Bau des Sperrwerks in der Ems bei Gandersum und der Ausbau des Flusses werden sich im Bereich der Inseln auswirken", ist Heinze überzeugt. Die Folgen ließen sich nicht voraus berechnen. Der Museumsleiter wünscht sich deshalb mehr Ehrfurcht vor der Natur. Die zeigt derzeit fünf Kilometer westlich von Juist, dass Inseln nicht nur verschwinden. Die dortige Sandbank hat sich in den vergangenen Jahren stark ausgedehnt. Die so genannte Kachelotplate ist bereits mit Pionierpflanzen wie der Binsenquecke und dem Strandroggen bewachsen und erhält zunehmend den Charakter einer Insel.

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