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Angeschaut und eingesteckt: Fritz!Dect 200 – Schaltbarer Zwischenstecker für Steckdosen

Der Markt für Heimautomation boomt. Vor einigen Tagen hat Fritzbox-Hersteller AVM eine aus der Ferne steuerbare Funksteckdose veröffentlicht. Ich selbst nutze in meinem Zuhause in einigen meiner Steckdosen vergleichbare Komponenten des RWE SmartHome Systems, sodass ich eigentlich keinen Bedarf für die Steckdose von AVM habe. Dennoch hat der Spieltrieb bei mir gesiegt: Ich habe mir einen der AVM-Zwischenstecker besorgt und ihn einem kurzen Praxistest unterzogen. Was ich von „Fritz!Dect 200“ halte, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Ein Hinweis vorab: Analog zu den Zwischensteckern von RWE SmartHome wird auch für AVMs Lösung eine Zentrale, sprich: ein AVM-Router auf DECT-Basis mit neuester Firmware, benötigt. Wie bei AVM üblich, erhalten zunächst die Top-Geräte entsprechenden Funktionszuwachs. Mit dem Oberklasse-Modell 7390 lässt sich die Steckdose bereits zum jetzigen Zeitpunkt nutzen. Auch die Fritzbox 7270 gehört zum erlauchten Kreis der kompatiblen Basis-Stationen.

Der formschöne Steckdosen-Aufsatz des Berliner Unternehmens kombiniert Fernsteuerung via Internet, eine Zeitschaltung und ein Stromverbrauchsmessgerät. Im Vergleich zu meinen SmartHome-Zwischensteckern ist das AVM-Gerät etwas kleiner geformt. Am Gehäuse befinden sich zwei Schalter, mit denen sich das Gerät ein- und ausschalten sowie von der Basisstation an- und abmelden lässt. Über den Schalter- und Verbindungszustand informieren zwei kleine Leuchten, die sich leider nicht abschalten lassen. Auf einen LAN-Anschluss hat AVM in der ersten Revision des Zwischensteckers verzichtet – der gleichzeitige Aufbau eines Powerline-Netzwerkes ist nicht vorgesehen.

Inbetriebnahme und Einrichtung

Von Installationsaufwand kann man bei der Inbetriebnahme nicht sprechen. Die Funksteckdose wird einfach in eine vorhandene Steckdose eingesetzt. In den Aufsatz kommt anschließend der Netzstecker des Gerätes, das über die Steckdose mit dem Lebenselixier Strom gespeist werde soll. Die Verbindungsaufnahme zwischen Basis (Router) und Client (Funksteckdose) erfolgt über einen längeren Druck auf die DECT-Taste der Fritzbox. Nach Angaben von AVM können bis zu zehn der Steckdosen an einem Router betrieben werden.

Gesteuert und geschaltet wird AVMs jüngster Sprössling zunächst über die Weboberfläche des Routers innerhalb des lokalen Netzwerks. Wer den Zugriff über die MyFritz-Funktion aktiviert, kann auch von PCs außerhalb des Netzwerkes die Steckdose ansprechen. Für Android-Smartphones ist zudem eine App verfügbar, mit der man die Steckdosen ebenfalls an- und ausschalten kann. Der Funktionsumfang ist hier ähnlich wie bei der iOS-App von RWE SmartHome reduziert – es fehlen die Konfigurationsmöglichkeiten. Eine App für iOS-Geräte ist bislang nicht erhältlich. Dafür lässt sich der funkgesteuerte Zwischenstecker über das Fritz!Fon von AVM steuern. Getestet habe ich diese Art der Bedienung allerdings mangels Fritz-Telefon nicht. Dennoch eine gute Idee.

Mit diesen Einstellungen ist der Fritz-Aktor an sieben Tagen in der Woche zwischen 8 und 18 Uhr auf “an” geschaltet.

Die Einrichtung nimmt man am besten über die Weboberfläche der Fritzbox vor. Im Navigationspunkt „Heimnetz“ stößt man in der neuesten Firmware auf den Eintrag „Smart Home“. Hier lassen sich beispielsweise einzelnen Steckdosen Namen zuweisen bzw. Steckdosen an- und ausschalten. Zudem ist es möglich, mit Hilfe von Zustandsvariablen Zeitfenster zu definieren, in denen die Antriebselemente (Aktoren) angesprochen werden sollen. Mit anderen Worten: Ihr definiert Zeitfenster, an denen die Steckdose aktiv sein soll. Witzig: Man kann sogar in eigenen Google-Kalendern Termine festlegen und das Kalendarium anschließend einbinden. An ein Profil zur Simulation eines virtuellen Bewohners (zufällige Schaltung) zur Prävention von Einbrüchen hat AVM gedacht. Erwähnenswert ist die integrierte “Astrofunktion”. Mit ihr lässt sich ein Gerät automatisch bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ein- oder ausschalten. Jeder AVM-Steckdose kann zudem ein beliebiger Name zugewiesen werden, mit dem die Orientierung erleichtert wird. Bei mir heißen die funkgesteuerten Steckdosen beispielsweise „WZ: Lichtfluter“ oder „WZ: Tischleuchte vorne links“ (WZ=Wohnzimmer).

Energieverbrauch der letzten zehn Minuten, gemesen von der Fritz!Dect 200. Angezeigt in der Oberfläche des AVM-Routers.

Kommen wir zur Messung des Stromverbrauchs: Die Fritz!Dect 200 analysiert den Energieverbrauch angeschlossener Geräte und speichert die Werte in der Fritzbox-Datenbank. Ihr könnt nicht nur den aktuellen Stromverbrauch begutachten, sondern euch auch den Verbrauch der letzten zehn Minuten, 24 Stunden sowie Monats- und Jahresverbrauch anzeigen lassen. Werte wie Minimal- bzw. Maximalverbrauch werden auch angezeigt. Einem bestimmten angeschlossenen Gerät zuordnen lassen sich die aufgezeichneten Werte jedoch nicht. Wer möchte, kann auch den Tarif seines Stromverbrauchers hinterlegen, sodass man bei der Jahresabrechnung keine böse Überraschung erlebt. Auf Wunsch kann man sich über den Verbrauchsstand per Push-Mail informieren lassen.

Nicht vergessen: Die Fritz!Dect 200 zieht permanent Strom. Hersteller AVM gibt eine maximale Leistungsaufnahme von 1 Watt an, im Standby-Modus sollen es 0,7 Watt sein. Verschiedene Blogger haben nachgemessen und diese Angaben bestätigt. Ich selbst bin dazu zu faul, glaube dem Geschriebenen und schreibe lieber das Fazit.

Mein Fazit zur Fritz!Dect 200

Für die Fritz!Dect 200 gibt es viele Anwendungsmöglichkeiten. Mit dem funkgesteuerten Zwischenstecker für die Steckdose lassen sich beispielsweise Tisch- und Bodenlampen entweder aus der Ferne oder zeitgesteuert an- und ausschalten, um in Abwesenheit einen virtuellen Bewohner zu simulieren. Ferner kann man bequem bei einem Fernsehabend die Zimmerbeleuchtung von der Couch aus komfortabel steuern. Wer mag, kann auch die Kaffeemaschine abends vorbereiten und am nächsten Morgen automatisch starten lassen. Nach dem Aufstehen genießt man dann ohne weiteres Zutun frisch aufgebrühten Kaffee. Dieser Komfort hat allerdings mit 50 Euro seinen Preis.

Prima gelöst hat AVM die Zeitsteuerung. Die Oberfläche gefällt mir wesentlich besser als die Konfiguration bei SmartHome, wenngleich dort noch mehr Konfigurationsmöglichkeiten bestehen.

Alles in allem ist AVMs Funksteckdose Fritz!Dect 200 ein cooles, formschönes Gadget, das den Wohnkomfort in den eigenen vier Wänden steigert. Ein smartes Zuhause ist allerdings nach meinem Verständnis mehr als nur eine fernsteuerbare Steckdose. Mir persönlich fehlen zusätzliche steuerbare Geräte wie beispielsweise Heizungsthermostat, Unterputz-Lichtschalter, Rauchmelder, Bewegungsmelder oder Rollladenschalter. Erst durch die Kombination dieser Komponenten entsteht ein “Smartes Home”. Was mich zusätzlich stört ist die Limitierung auf zehn Geräte. Allein in meinem Wohnzimmer habe ich fünf Zwischenstecker von RWE SmartHome in den Steckdosen im Einsatz. Für eine ernstgemeinte Hausautomatisierung ist die Limitierung kontraproduktiv. AVM hat aber einen vielversprechenden Anfang für ein spannendes Hausautomationssystem mit der Fritzbox als zentralem Knotenpunkt gelegt.

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2 Responses to "Angeschaut und eingesteckt: Fritz!Dect 200 – Schaltbarer Zwischenstecker für Steckdosen"

  1. Nun ja, zum ganzen SmartHome ist nur soviel zu sagen, dass es sich eher für Licht an und ausschalten lohnt, wenn man nicht zu Hause ist. Viele weiter Anwendungen sind schon eher manuell zu tätigen, wie den Strom abstellen am Fernseher oder sonstige StandBy-Geräte.

    Zur Lichtsteuerung ist Fritz!Dect 200, neben der klassischen Zeituhr, die günstige Alternative zu den teuren SmartHome-Gedöns im Handel von RWE und Co ;)

  2. Jürgen sagt:

    Hallo, laßt sich bei Nutzung der “Astrofunktion” die Einschaltzeit auf 1 Minute programmieren. Bei “normaler” Nutzung gehe ich davon aus, dass die Realisierung einer Einschaltdauer von einer Minute möglich ist. Ich bitte um Rückäußerung. Vielen Dank.
    Jürgen

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