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Deichachten in Ostfriesland – Helden der Zukunft?

Wie die Ostfriesen-Zeitung (OZ) gestern in einer Kurznotiz berichtete, stellt die Deichacht Krummhörn auf dem Deich beim Campener Leuchtturm eine 4000 Euro teure Schautafel auf. Diese soll Besucher und Einheimische über die Bedeutung des Deichbaus informieren. Verschiedene Sponsoren finanzieren diese öffentlichkeitswirksame PR-Maßnahme. Was uns die OZ aber nicht beantwortet, ist die Frage nach der Bedeutung von Deich und Deichacht für die Ostfriesen. Und deshalb kommt das Ostfriesenblog ins Spiel und klärt auf …

Deichacht ist ein Begriff aus der Seemannssprache und ein gebräuchlicher Begriff für den Deichverband. Das Wort „Acht“ bedeutet Gericht oder Gerichtsversammlung, Vorsteher einer Deichacht ist der Deichrichter. Aufgabe der Deichverbände ist es, alle erforderlichen Deichbauten (Deiche, Deckwerke, Buhnen, Siele, Schleusen, Schöpfwerke etc.) zu errichten, zu erhalten und zu überwachen. Mitarbeiter der Deichachten treffen also Vorsorge für die Deichverteidigung.

Doch wovor schützen sie uns? Sollten irgendwann in ferner Zukunft wieder die Kanadier in Ostfriesland einmarschieren, wären Bundeswehr und -polizei die zuständigen Ansprechpartner. Außerdem würden die Kanadier vermutlich eher aus der Luft eintrudeln, als über Deiche zu klettern. Insofern bleibt nur noch das Wasser übrig – Deichachten erarbeiten Pläne für die Verteidigung der Deiche bei Sturmfluten. Sie organiseren den Küstenschutz, den Bund, Länder und alle Grundeigentümer, deren Land unter 5 Meter über NN liegt, gemeinsam finanzieren.

Während zu früheren Zeiten die Anwohner von Küstenstreifen anstrengende Hand- und Spanndienste verrichten mussten, zahlt man heute GEZ-ähnliche Gebühren. Und das sogar freiwillig und ohne Murren, denn die Deiche sind für die Ostfriesen lebenswichtig. Zwar drohen den Ostfriesen nach allgemeiner Einschätzung keine Tsunamis, doch Klimawandel und ansteigende Meeresspiegel bedrohen auch das flache und friedliche Ostfriesland. Die heutigen Deichanlagen an der niedersächischen Nordseeküste erstrecken sich übrigens über eine Gesamtlänge von 605 Kilometern.

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2 Responses to "Deichachten in Ostfriesland – Helden der Zukunft?"

  1. Meixi sagt:

    Das Fitmachen der Deiche wegen der jetzigen Open-End”-Periode der Klimaerwärmung ist ein Beispiel für eine negative Folge. Das seit etwa 30 Jahren sommerliche Kommen von leckeren Meeräschen-Schwärmen im Ostfriesischen Wattenmeer sehe ich positiv. Während einer langen Wärmeperiode im Mittelalter rückte die Weinbaugrenze über Niedersachen bis nach Preußen. Aber über viele Gewitter- und Hagelstürme wurde damals auch berichtet.

  2. Meixi sagt:

    Eine unangenehmes Folge der Klimaerwärmung könnte z.B. das erneute Auftreten des hier seit der Nachkriegszeit überwundenen Sumpffiebers (Malaria) sein. Anopheles-Mücken gibt es auch in Deutschland. Und Flugpassagiere aus Malarialändern gibt es auch. Eine positive Folge sehe ich für die Nordseegarnele (“Krabbe”), weil sich ihre Eier, die sie unter dem Hinterleib schützt, z.B. in milden Wintern schneller ausbrüten als in kalten Wintern. Im Sommer geht das sowieso besonders schnell.

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