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Ausgepackt und ausprobiert: Das Gigaset SL930A Festnetztelefon auf Android-Basis

Foto Gigaset SL930A

Ein mögliches Hochzeitsgeschenk? Das Gigaset SL930A stiehlt dem Brautpaar auf jeden Fall die Schau!

Treue Blog-Leser wissen es bereits: Ich bin kein großer Android-Fan und tummle mich lieber in den Weiten der Windows- und iOS-Welt. Einen Blick auf ein Festnetz-Telefon auf Basis des Betriebssystems von Google zu werfen, hat mich dann aber doch gereizt. Schließlich handelt es sich um eine Konstellation, die im Dschungel der Mobil- und Festnetztelefone nicht so häufig vorkommt. Zuletzt hat der Münchener Kommunikationstechnologie-Hersteller Gigaset mit dem SL930A ein solches Android-basiertes Festnetztelefon in den Handel gebracht. Gigaset-Pressesprecher Raphael Dörr hat mir netterweise für einen Hands-on-Test ein Exemplar des Telefons zur Verfügung gestellt, das ich einige Tage lang ausprobiert habe. Soviel sei vorab schon mal verraten: Wer ein hochwertig verarbeitetes Telefon sucht, das mit guter Sprachqualität überzeugt und dank Android einen gewissen Coolness-Faktor ausstrahlt, sollte das SL930 bei der Kaufentscheidung für ein neues Telefon auf jeden Fall in die engere Wahl einbeziehen. Entsprechende Budget-Freigabe seitens des Ehepartners oder Arbeitgebers vorausgesetzt.

Ausgepackt: Was den Gigaset SL930A Käufer erwartet…

Zusammengehalten wird das SL930 von einem stabilen Rahmen aus Metall. Die Rückseite des Telefons ist in pianoschwarzen Kunststoff verkleidet, die Vorderseite wird von einem 3,2 Zoll großen Display dominiert. Dahinter verbirgt sich ein farbiger Touchscreen mit einer Auflösung von 320 x 480 Pixel, der dazu einlädt, von dicken oder dünnen respektive sauberen oder fettigen Fingern gestreichelt zu werden. Wer Tasten bevorzugt, findet im unteren Bereich der Vorderseite fünf Knöpfe, die bei der Navigation und bei der Durchführung der Basisfunktionen hilfreich sind: Mittig der Home-Button, mit dem der Startbildschirm aufgerufen wird, links danebeneine Zurückgehtaste sowie eine grün beleuchtete Telefontaste, mit der sich Ziffernblock, Telefonbuch und Anruflisten aufrufen lassen. Rechts vom Home-Button befindet sich eine Taste, mit der sich eine Übersicht der geöffneten Apps aufrufen lässt. Ganz rechts ist eine rot beleuchtete Taste angeordnet, die dem Beenden des Telefonats dient und das Telefon ausschaltet. Auf der unteren Seite des Telefons befinden sich ein Kopfhörerausgang für Stereo-Audio, zwei Ladekontakte und ein Mini-USB-Anschluss. Werfen wir einen Blick in das Innere – bildlich gesprochen natürlich: Der Prozessor ist mit 1GHz getaktet, der interne Speicher fasst 3GB. Mit einer microSD-Karte lässt sich der Speicher erweitern. Kamera, Bluetooth-Chip oder GPS-Sensor hat Gigaset in seinem Android-Telefon nicht verbaut. Dafür scheint es aber einen Lichtsensor zu geben, denn eine Funktion für eine automatische Helligkeitsanpassung ist vorhanden. Einen Lagesensor scheint es auch zu geben, der Wechsel von Hoch- zu Querformat funktioniert allerdings nicht immer. Einige der von mir installierten Anwendungen ließen sich nur im Hochformat nutzen. Bei Kalender- und Fotoalben sowie dem Playstore funktionierte der Anzeige-Wechsel aber problemlos.

Ansicht Metallrahmen Gigaset SL930A

Grundsolide: Das Gigaset SL930A überzeugt durch gute Verarbeitung und den Formfaktor.

Die Basis für das Schnurlostelefon aus dem Hause Gigaset bildet ein kleiner schwarzer Plastikkasten, der aus zwei voneinander löslichen Teilen besteht. In diesen Kasten steckt man das Telefonkabel und den Stecker des Netzteils. Mit Hilfe von zwei kleinen Klemmen werden die beiden Kabel bei geschlossenem Kasten präzise hinausgeführt. Dadurch und dank zweier Füßchen steht die Basis-Station absolut stabil. Wer die Basisstation nicht aufstellen möchte, kann den hinteren Teil des Kastens weglassen und den vorderen Teil an der Wand aufhängen. Entsprechende Einschübe für die Wandmontage sind vorhanden. Etwas weniger stabil steht allerdings das Telefon. Für dieses gibt es eine Ladeschale, die durch den integrierten Metallrahmen hervorragenden Stand hat. Das Telefon jedoch steht etwas wackelig in der Schale. Wer das Telefon auf einem Schrank stehen hat, sollte daher um das Telefon herum noch einigen Abstand bis zum Regalrand wahren – insbesondere kleine Kinder neigen hin und wieder dazu, Schränke zu verrücken und Telefone herunterfallen zu lassen. Nach meinen Recherchen kann das Gigaset SL930A übrigens auch mit einigen anderen Basis-Stationen von Gigaset kommunizieren.

Sonos-App auf dem Gigaset SL930A

Die Sonos-App auf dem Gigaset SL930A.

Bemängeln könnte man, dass kein GPS-Modul verbaut wurde. Die Wetter-Anzeige ist deshalb recht ungenau, verortet wird das Handy bei mir in Solingen, Haan, Wuppertal und manchmal auch in Hilden. Letzteres wäre richtig. Allerdings macht ein GPS-basiertes Ortungsmodul zugegebenermaßen in einem Festnetztelefon nicht besonders viel Sinn, bewegt man sich mit dem Telefon doch stets nur wenige Meter. Ein “Nice-to have” wäre eine Kamera für Videotelefonie gewesen, dann hätte man das Telefon beispielsweise auf dem Schreibtisch während des Telefonierens in der Halteschale lassen und mit Freisprecheinrichtung komfortabel nutzen können. Das hätte allerdings ähnlich wie ein zusätzlicher Bluetooth-Chip nur den Preis nach oben getrieben.

Besonderheiten des Gigaset SL930

Abbildung Startseite Homescreen SL930A

Der Homescreen: Von hier aus startet man die installierten Apps und hat Zugriff auf die Einstellungen. Unten: Die Navigationsleiste mit fünf Tasten.

Was fällt auf? Das Gewicht des Telefons. Aufgerundet sind es satte 170 Gramm, die am Anfang doch etwas störend sind. Nach einigen Tagen Benutzung hat man sich jedoch an das Schwergewicht gewöhnt und schätzt die wertige Verarbeitung. Das SL930 liegt insgesamt prima in der Hand, fühlt sich aber auf der Wange durch den Metallrahmen und das Display etwas kühl an. Letzteres behauptet zumindest meine Ehefrau, die ansonsten aber den mir immer sehr wichtigen Woman Acceptance Faktor (WAF) bejaht. Im Betrieb hat mir die klare, gut verständliche Sprache während der Telefonate sehr gefallen. Besonders beeindruckend sind die integrierten Lautsprecher. Ich habe bislang noch kein Telefon in den Händen gehalten, bei dem ich so oft die Freisprechfunktion aktiviert habe. Wahrlich, das Gigaset SL930 verführt den Nutzer geradezu, diese Funktion zu nutzen. Auch mit größerem Abstand versteht man deutlich jedes Wort. Während meiner Telefonate neige ich stets dazu, durch die Wohnung zu laufen und das Telefon mitzunehmen. Mein Gesprächspartner konnte mich während meiner Rundläufe bei aktivierter Freisprechaktion stets gut verstehen, ebenso vice versa.

Den Stromverbrauch habe ich nicht gemessen. Gemäß der Spezifikationen nutzt das Gigaset SL930A bei der Funkübertragung die ECO DECT Technologie, eine besonders umwelt­freundliche Technologie, die den Stromverbrauch senkt und zudem eine variable Reduzierung der Sendeleistung bietet. Soweit ich weiß, sind es maximal 0,25 Watt Sendeleistung, das sollte Strahlungsgegnern ein zufriedenes Lächeln entlocken. In den Einstellungen gibt es die Möglichkeit, eine Strahlungfrei-Option freizuschalten. Durch die Aktivierung der Option  wird die Funkstrahlung komplett abgeschaltet, wenn sich das Telefon im Bereitschaftsmodus befindet. Ruft jemand in dieser Zeitspanne an, wacht das Mobilteil nach etwa einer Sekunde auf. Anrufe habe ich deswegen nicht verpasst.

Des Telefons Kern ist Android 4.04

Kommen wir zum Kern des SL930A, dem Android-Betriebssystem. Installiert ist Version 4.04, besser bekannt unter dem Namen „Ice Cream Sandwich“. Wie auf einem Android-Handy müssen zunächst die Google-Zugangsdaten und die Verbindungsdaten für das heimische WLAN eingegeben werden. Im Nu gelangen so Telefonbuch-Einträge, Termine aus dem Kalender und E-Mails aus dem Google-Account auf das Festnetz-Telefon. Prima: Gigaset hat eine Echtzeit-Synchronisation eingebunden. Wer im Telefonbuch einen Eintrag ändert oder löscht, macht dies für alle Geräte, die sich mit dem Google-Konto synchronisieren. Wer Google nicht mag, kann wahlweise auch mit Microsoft Exchange Konten Daten synchronisieren. Wem auch das nicht genehm ist, der trägt Namen und Telefonnummern einfach ins Telefonbuch des Gerätes ein.

Play Store: Apps & Co

Abbildung Gigaset SL930A - Google Play Store

Der Google Play Store kann auf dem Gigaset SL930A auch im Querformat dargestellt werden.

Im Play Store von Google kann man sich die Apps seiner Wahl analog zu jedem Android-Smartphone herunterladen und diese dann starten. Dies können beispielsweise Spiele oder Produktiv-Apps sein. Zu den Spielen ist anzumerken, dass aktuelle grafiklastige Spiele-Highlights verpixelt sind oder ruckeln. Andigitalen  Freizeit-Helfern gibt es einige Apps, die hervorragend auf dem Festnetz-Telefon nutzbar sind. Ich habe mir beispielsweise die Sonos-App runtergeladen und habe damit einen weiteren Controller zur Hand, mit dem ich meine Musikanlage steuern kann. Auch die Skype-App lässt sich problemlos installieren. Etwas schade ist die Tatsache, dass Gigaset keine spezifischen Apps für das Telefon anbietet. Eine Ausnahme bildet die vorinstallierte Anrufbeantworter-App. Sie ist in gewisser Weise ein Beleg dafür, dass die Gigaset-Entwickler mit ziemlicher Sicherheit für die Android-Portierung viele individuelle Anpassungen vornehmen mussten. Darüber hinaus gibt es noch einige Widgets, die sich auf dem Homescreen anzeigen lassen, etwa eine Uhr oder Wetterinformationen.

Fazit zum Gigaset SL930A

Bei Amazon kostet das SL930A aktuell rund 180 Euro. Für ein Festnetztelefon ist das sicherlich nicht wenig. Dafür erhalten Käufer für ihr Geld allerdings ein wertig anmutendes und zuverlässig funktionierendes Festnetz-Telefon, das angenehm in der Hand liegt und meiner Meinung nach eine sehr gute Sprachqualität bietet. Trotz Android-Betriebssystem darf man das Gigaset SL930A nicht mit einem Smartphone vergleichen. Aktuelle Smartphones können wesentlich mehr und bieten eine bessere Hardware-Ausstattung. Sie sind jedoch in der Regel um ein Vielfaches teurer. Das SL930A ist ein zuverlässiges Festnetz-Telefon, das sowohl im Büro als auch in den eigenen vier Wänden eine gute Figur macht. Durch die eingegangene Ehe mit Android ist es ideal, um schnell einen Blick auf Kalender, E-Mails und Co zu werfen und einen Schnell-Check durchzuführen. Zum produktiven Arbeiten in den Apps ist das SL930A hingegen weniger geeignet – hierzu greift man am besten auf Tablets oder stationäre PCs zurück.

Weitere Infos zum SL930A gibt es unter anderem auf der Webseite von Gigaset.

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