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Abschiebung aus Ostfriesland: Des Hähnchens letzte Reise

„Wir dürfen es nicht zulassen, dass holländische Investoren unsere Heimat mit Hühnerställen zupflastern“, schreibt Ulf im Gästebuch von www.fehn-forum.de. Auch User Oknu erweckt einen verärgerten Eindruck: „Die Hähnchenverwertungsmaschinerie gleicht einem Konzentrationslager, das ethisch gesehen die Würde des einzelnen Tieres verletzt und zugunsten des Massenprofits des Betreibers der Anlage ignoriert wird.“ Harter Tobak zweier verärgerter Bürger aus Potshausen.

Das kleine idyllische Dörfchen in der Gemeinde Ostrhauderfehn im Landkreis Leer ist eigentlich bekannt für seine stattlichen Gulfhäuser. Doch seit einigen Wochen schwelt hier ein erbitterter Disput zwischen Landwirt Dieter Hasselhorn und einigen Anwohnern. Streitobjekt sind Hasselhorns Pläne, drei …

… neue Ställe für die Hähnchenmast zu errichten. 190.000 Hähnchen sollen hier zukünftig bis zu sechs Wochen leben, bis Körpergewicht und Verbraucherpreis stimmen. Dann erst werden die gefiederten Tierchen auf ihre erste und letzte Urlaubsreise in die benachbarten Niederlande geschickt. Von dort gelangen sie als leckere Chicken-Nuggets oder als neumodischer Hähnchen-Döner in unsere Nahrungskette. Um den geplanten Standort für das Hühnerhotel zu verhindern, haben die Potshausener eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen.

Der hier im Raum stehende Konflikt ist nicht ganz neu. Auf der einen Seite stehen die Landwirte, die sich neue oder alternative Einnahmequellen erschließen möchten. Demgegenüber versammeln sich Tierschützer und Anwohner. Die einen sorgen sich um ihre Finanzen, andere um die Tiere, wiederum andere um Luft und Nase. Fakt ist: Industrielle Tierhaltung gehört zu unserer Gesellschaft wie das Amen in der Kirche. Letztlich entscheidet der Verbraucher darüber, was er den Supermarkt-Regalen entnimmt und welchen Preis er dafür zu bezahlen bereit ist. Wer Geiz geil findet, finanziert indirekt auch die Hühnerfarmen. Und wer sich dann die Nase rümpft, sollte sich stattdessen besser an die eigene Nase packen und sein bisheriges Konsumentenleben überdenken.

Weitere Neuigkeiten, Hintergründe und Informationen über die Auseinandersetzung und die von den Potshausenern ins Leben gerufene Bürgerinitiative erhalten Interessierte über den unten stehenden Link.

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2 Responses to "Abschiebung aus Ostfriesland: Des Hähnchens letzte Reise"

  1. Rita sagt:

    Wenn sich alle an die alte Regel: “Zwei Mal Fleisch pro Woche ist genug!” halten würden, hätten wir das Problem nicht. Aber nur Fleisch macht wirklich satt, nicht wahr? So lautet jedenfalls das tumbe Argument vieler Fleisch(fr)esser. Meiner Meinung nach Unfug, denn es gibt viele leckere Gemüsegerichte, die bei entsprechender Menge ebenso satt machen. Damit machen wir nicht nur den Hühnern eine Freude, sondern vor allem unserem Körper. Nicht umsonst sind die Deutschen mittlerweile die dicksten Europäer – sie sollten ihre Fehler langsam mal einsehen um nicht auch noch die dümmsten zu sein.

  2. DER sagt:

    Schlimm ist ja auch das die Eier aus Holland stammen. Dann werden sie nach Dänemark gekarrt um bebrütet zu werden. Die kleinen Hähnchen hampeln dann 6 Wochen lang in Ostfriesland/Potshausen im Hühner-KZ herum.Dann gehts wieder nach Holland und dort wandelt sich das Huhn zum Chickenbrei. Was uns Friesen bleibt ist der Mist – und der ist nicht ohne.

    Das Hauptproblem welches wir alle haben: Den Fleischkonsum wird man nicht mit “gut reden” reduzieren können. Die Mengen sind aber wirklich beachtlich. Und alles nur zum Wohlstand – nichts hängt an der Notwendigkeit.

    Desweiteren sind wir Friesen alle betroffen weil Potshausen nur der Anfang sein wird. Es gibt schon bald Anträge auf neue Anlagen. Potshausen soll demnach nicht nur mit der 190.000 Stck-Anlage aufgerüstet werden – nein es sollen noch drei weitere Ställe folgen. Dann ist das Dorf dicht und die holländischen Investoren gucken sich weiter in Ost-Friesland um.
    Hierbei geht es auch um die Schweinemastanlage in WOL. Die soll auch erweitert werden.
    In Vechta und Holland werden keine Genehmigungen derartiger Anlagen mehr erteilt – VOLL

    Das Ganze ist ähnlich schlimm wie das Krabbenpulen in Marokko. Schöne kranke Marktwirtschaft.

    Noch ist Friesland schön. Doch wenn die Touristen beispielsweise erstmal ein paar Kilometer mit dem Rad fahren müssen um nichts übles mehr sehen und riechen zu müssen – so werden auch die bald wegbleiben. Und das wollen wir doch nicht.

    Gruss aus dem Norden
    DER

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