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Plattprooten im Kindergarten

Ein echter ostfriesischer Plattprooter – eine Seltenheit? Diesen Eindruck erwecken immerhin die Städte Ostfrieslands. Gerade die Kleinsten kennen hier oftmals nicht mehr die Sprache ihrer Vorfahren. Doch dem kann Abhilfe geschaffen werden: Immer mehr ostfriesische Kindergärtnerinnen kommunizieren mit ihren Zöglingen hauptsächlich auf Platt. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Sprachlehre ist der Kindergarten Klecks in Leer. Seit November letzten Jahres "versteht" eine Erzieherin nur noch Platt.

Bereits jetzt ist die Wirkung des ehrgeizigen Projekts zu spüren: Die Kinder verstehen die (fremde) eigene Sprache nicht nur, sondern beginnen nun auch selbst platt zu prooten. Etwas anderes bleibt ihnen auch gar nicht übrig, denn auf hochdeutsch reagiert ihre Erzieherin einfach nicht – egal wie lange man auch bittet und quengelt.

Das Projekt kommt keineswegs zu früh, wie eine Studie des 1988 gegründeten "Plattdütskbüros" der Ostfriesischen Landschaft beweist: Demnach ging die Anzahl der Kinder, die Platt im Elternhaus lernen seit 1997 von 9,9% auf 5,1% um etwa die Hälfte zurück. Die Gründe sind mehrschichtig: Oft leben die Kleinen nicht mehr mit den plattsprechenden Großeltern unter einem Dach, die Eltern beherrschen die Sprache selbst nicht sicher. Mit der plattdeutschen Früherziehung wird ein Fundament gelegt, auf dem später aufgebaut werden kann – denn wie bekannt haben die Kleinsten am wenigstens Schwierigkeiten beim Fremdsprachenerwerb. Dafür sprechen auch die Ergebnisse des Kindergartens Klecks, an dem zusätzlich stundenweise Frühenglisch gelehrt wird. Die Kinder vergleichen die Sprachen, ihr sprachanalytisches Denken wird geschult. Auch Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, greifen problemlos auf Platt zurück: Hier können die Erzieherinnen sogar bessere Ergebnisse beobachten als bei "nur" deutsch lernenden Kindern.

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