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Marc Fascher verlässt überraschend Kickers Emden

Trainer Marc Fascher verlässt den BSV Kickers Emden zum Saisonende. Mit dieser Nachricht überraschte der Emder Regionalligist heute früh Medien und Fans. Aus persönlichen Gründen und im Guten, wie es von Vereinsseite hieß. Was genau darunter zu verstehen ist, bleibt im Dunkeln.

Erst Anfang des Jahres hatte Fascher seinen Vertrag…

… um ein Jahr verlängert. Zuvor war er wochenlang mit dem VFB Lübeck und dem FC St. Pauli in Verbindung gebracht worden, die zu diesem Zeitpunkt einen neuen Trainer suchten. Deshalb ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass Fascher zur neuen Saison das Ruder beim Zweitliga-Aufsteiger St. Pauli übernimmt. Dessen derzeitiger Interimstrainer Holger Stanislawski gilt als guter Freund und Vertrauter von Marc Fascher. Zugleich ist es ein offenes Geheimnis, dass Stanislawski gerne wieder als Sportdirektor tätig sein möchte.

Marc Fascher trainiert Kickers Emden seit 2004. Bereits im ersten Jahr schaffte er mit dem Emder Fußballklub den Aufstieg aus der Oberliga in die Regionalliga Nord. Mit einer vollständig neuformierten Mannschaft erreichte er dort den neunten Platz. In der aktuellen Saison belegen die Kickers Rang 5, und haben einen Spieltag vor Saisonende noch theoretische Chancen auf den Aufstieg in die Zweite Bundesliga.

Trotz der Gelassenheit bei den Verantwortlichen von Kickers Emden dürften in Emden nun unruhige Zeiten anbrechen. Bei vielen Leistungsträgern laufen die Verträge aus, Neuverpflichtungen sind ohne einen Trainer und Verantwortlichen faktisch unmöglich.

Zwar befand sich der Verein mit den aktuellen Kickers-Spielern in Verhandlungen, doch viele der Akteure dürften ihr Bleiben von Marc Faschers abhängig gemacht haben. Denn trotz der sportlichen Erfolge sind die Rahmenbedingungen in Emden alles andere als optimal – unter anderem mangelt es an professionellen Trainingsmöglichkeiten. Vieles konnte der Motivationskünstler Fascher durch Improvisation ausgleichen. Ob Kickers einen adäquaten Ersatz findet, bleibt offen.

Einen faden Beigeschmack hinterlässt der Zeitpunkt der Kündigung. Auch wenn die Aufstiegschancen äußerst gering sind, steht Kickers noch ein wichtiges Saisonspiel in Wuppertal bevor. Die für Außenstehende überraschende Rücktritt lässt eigentlich nur die Schlussfolgerung zu, dass Fascher aus Fairness gegenüber den Spielern gehandelt hat. Denn diese befinden sich – wie bereits geschrieben – in Vertragsverhandlungen mit dem Verein. Und vielleicht wollte Fascher einfach nicht, dass diese unter falschen Annahmen Verträge unterschreiben.

Andererseits gab Kickers-Präsident Engelbert Schmidt heute zu Protokoll, dass es "manchmal eben wichtigere Dinge im Leben als Fußball gäbe". Insofern darf spekuliert werden. Sind es also private Angelegenheiten, die Fascher zum Rücktritt bewogen haben? Leidet Fascher womöglich an einer Krankheit? Sind es familiäre Probleme? Oder ist er einfach ausgepowert? Ausgeschlossen scheint aufgrund dieser Aussage jedenfalls, dass es Streitigkeiten innerhalb des Vereins gab. Gleichwie, wir wissen es nicht. Es wäre aber schön, wenn die BSV-Verantwortlichen und auch Trainer Marc Fascher den Rücktritt genauer kommentieren, und Licht ins Dunkel bringen. Von Personen, die in der Öffentlichkeit stehen und die Öffentlichkeit auch genießen, darf man das sicherlich erwarten. Und die treuen Fans und Helferlein des BSV haben es ebenfalls verdient, über die Gründe für den Rücktritt in Kenntnis gesetzt zu werden. Zudem verhindert man dadurch unsägliche Spekulationen.

Wie auch immer, das Leben geht weiter. Wie so oft in der Vergangenheit steht der BSV mit dem Rücken zur Wand. Bislang haben es die Vereinsoberen immer wieder geschafft, eine schlagkräftige Truppe auf den Platz zu bringen. Warum sollte das also auch in der nächsten Saison nicht gelingen? Die Arbeitsplätze im Profi-Fußball sind rar gesät, sowohl Trainer als auch Spieler konkurrieren bundesweit um die wenigen verfügbaren Plätze. Es wird also ein neuer Trainer kommen, und es werden auch neue Spieler kommen. Mit einem glücklichen Händchen schafft der BSV dann auch im nächsten Jahr die Qualifikation für die neue, eingleisige Dritte Bundesliga.

Und eines noch zum Schluss: Marc Fascher setzte auf ein defensives und effektives, aber unattraktives Spielsystem. Ein neuer Trainer könnte also auch erfolgreichen, erfrischenden Offensivfußball mit mehr Mut und Risikobereitschaft ins Embdena-Stadion bringen. Veränderungen sind zugleich auch Chancen.

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2 Responses to "Marc Fascher verlässt überraschend Kickers Emden"

  1. Frankyboy sagt:

    Genau, Kopf hoch, es geht weiter. Das ist zwar ein Schock, der Zeitpunkt ist unakzeptabel, aber was soll es. Trainer gibt es wie Sand am Meer. Auch gute Leute.

  2. Helge sagt:

    Sagen wir es mal so: Der bei den Kickers-Fans durch seinen investigativen Journalismus bekannte und geliebte EZ-Redakteur Paul Ronzheimer hat nun die Aufgabe und Möglichkeit, Wiedergutmachung zu betreiben….

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